Ein Storyboard übersetzt eine Idee in eine Folge von Bildern, bevor die Kamera läuft. Wenn du ein Storyboard erstellen willst, geht es nicht um schöne Zeichnungen, sondern um Verständigung: Du, dein Team und dein Kunde sollen dasselbe Bild im Kopf haben. Dieser Leitfaden zeigt, wie ein Panel aufgebaut ist, wie du Bewegung notierst, wie es ohne Zeichentalent klappt und wie Storyboard, Shotlist und Drehplan ineinandergreifen.
Wozu ein Storyboard dient
Ein Storyboard ist die zeichnerische Version eines Drehbuchs oder die Visualisierung eines Konzepts. Die Disney Studios setzten Storyboards schon in den 1930er Jahren ein. Walt Disney schrieb dem Animator Webb Smith die Idee zu, Szenen auf einzelne Blätter zu zeichnen und der Reihe nach an eine Pinnwand zu heften.
Der Nutzen ist bis heute derselbe. Mit einem Storyboard erkennst du Probleme, bevor sie am Set Zeit kosten, du kannst Aufwand und Kosten besser einschätzen, und auch der Schnitt profitiert, weil die Bildfolge schon durchdacht ist. Es hilft allen Beteiligten, die Absicht der Macher in Bezug auf Einstellungsgrößen, Blickwinkel und Perspektiven besser zu verstehen und abzustimmen. Für Auftragsarbeiten ist das besonders wertvoll: Der Kunde gibt Bilder frei, nicht nur Worte.
Wann sich der Aufwand lohnt
Nicht jede Produktion braucht ein vollständiges Storyboard. Bei einem Interview mit wenigen Schnittbildern genügt oft eine gute Shotlist. Sobald aber mehrere Menschen eine genaue Bildidee teilen müssen, lohnt sich die Arbeit. Das gilt für Werbespots mit festem Timing, für Szenen mit Stunts, Effekten oder Produktaufnahmen, für Drehs mit vielen Einstellungen an einem Ort und für jedes Projekt, bei dem der Kunde vorab genau sehen möchte, was er bekommt.
Storyboard erstellen: Aufbau eines Panels
Jedes Panel steht für eine Einstellung oder für einen wichtigen Moment innerhalb einer Einstellung. Die Rahmen werden traditionell im Seitenverhältnis des späteren Videoformats gezeichnet. Zeichnest du für ein Hochformat Video, sollte also auch das Panel hochkant sein. Technische Angaben zu Bewegung, Kamera und Licht stehen entweder im Bild oder als Notiz daneben.
| Feld | Inhalt |
|---|---|
| Nummer | Szene und Einstellung, zum Beispiel 4.2, damit Storyboard und Shotlist übereinstimmen |
| Bild | Skizze mit Bildrahmen im richtigen Seitenverhältnis |
| Einstellungsgröße und Perspektive | Etwa Halbnah auf Augenhöhe oder Detail in Aufsicht |
| Bewegung | Pfeile für Kamera und Figuren, dazu eine kurze Beschriftung |
| Handlung | Ein bis zwei Sätze, was passiert |
| Ton | Dialog, Sprechertext, Musik oder Geräusch |
| Dauer | Geschätzte Länge der Einstellung, wichtig bei Spots mit festem Timing |
Die Begriffe für Größe und Perspektive sollten im ganzen Team gleich verstanden werden. Eine Übersicht mit Wirkung und Einsatz findest du im Beitrag zu Einstellungsgrößen.
Bewegung im Storyboard notieren
Ein Einzelbild zeigt keine Bewegung, deshalb arbeitet man mit Pfeilen. Dafür gibt es ein einfaches System:
- Ein gerader Pfeil zeigt die Richtung eines Schwenks. Soll die Kamera von links nach rechts schwenken, zeigt der Pfeil nach rechts.
- Kombinierte Bewegungen zeichnest du als geknickten Pfeil. Neigt die Kamera erst nach unten und schwenkt dann nach rechts, hat der Pfeil die Form eines L.
- Gebogene Pfeile stehen für Bewegungen der Figur, etwa eine Drehung des Kopfes.
- Einen Zoom markierst du mit vier Pfeilen in den Ecken des Panels, die nach innen oder nach außen zeigen.
Beschrifte die Pfeile, damit niemand rätseln muss, ob sich die Kamera oder die Figur bewegt. Ein kurzes Wort wie Kamera, Schwenk oder Fahrt genügt. Bei längeren Kamerafahrten hilft ein zweites Panel, das die Endposition zeigt.
Ohne Zeichentalent zum Storyboard
Auf den Punkt gebracht: Ein Storyboard muss nicht gut aussehen, es muss deine Absicht vermitteln. Die Mindestanforderung ist eine grobe Vorstellung davon, wie die fertige Einstellung aussehen soll. Wenn du nicht zeichnen kannst, hast du mehrere Möglichkeiten.
Strichmännchen und einfache Formen
Strichfiguren, Kreise für Köpfe und Rechtecke für Objekte reichen völlig aus. Entscheidend sind Bildrahmen, Größenverhältnis und Blickrichtung. Ein Strichmännchen, das im richtigen Drittel steht und in die richtige Richtung schaut, sagt mehr als eine aufwendige Zeichnung mit falschem Ausschnitt.
Fotostoryboard
Du stellst die Einstellungen mit Kollegen oder Platzhaltern nach und fotografierst sie, am besten mit der geplanten Brennweite. Jedes Foto bekommt Nummer, Beschreibung, Seitenverhältnis und Bewegungspfeile. So entsteht ein Storyboard, das Perspektive und Bildwirkung sehr genau zeigt.
Videostoryboard
Einen Schritt weiter geht ein grob gedrehtes Probevideo mit Platzhaltern und wenig Ausstattung. Es zeigt Bewegung und Timing besser als jedes Standbild.
Zeichner beauftragen
Bei großen Projekten kannst du mit einem spezialisierten Storyboard Zeichner arbeiten. Dann musst du deine Bildideen allerdings sehr klar beschreiben können.
Digitale Werkzeuge
Papier und Stift bleiben die schnellste Lösung. Digitale Werkzeuge haben trotzdem Vorteile: Panels lassen sich umsortieren, Notizen ändern und das Ergebnis als Datei an Kunden schicken. Grob lassen sich drei Gruppen unterscheiden. Zeichenprogramme auf dem Tablet bieten volle Freiheit, du musst Rahmen und Beschriftung aber selbst anlegen. Spezialisierte Storyboard Programme bringen Panelvorlagen, Felder für Notizen und Exportfunktionen mit. Und für einfache Projekte genügen auch Präsentations oder Tabellenprogramme, in die du Fotos oder Skizzen einfügst.
Ein Beispiel für ein spezialisiertes Programm ist das quelloffene Storyboarder von Wonder Unit. Laut Projektseite soll es ermöglichen, eine Geschichte so schnell sichtbar zu machen, wie man Strichmännchen zeichnet. Es bietet unter anderem Hilfslinien für Drittel, Bildmitte und Raster sowie eine Anbindung an Photoshop. Welches Werkzeug du nutzt, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass dein Team und dein Kunde das Ergebnis ohne Umwege öffnen können.
Vom Storyboard zum Animatic
Ein Animatic ist ein vereinfachtes Vorabvideo. Dabei werden Standbilder, meist aus dem Storyboard, synchron zu grobem Dialog oder einer Tonspur abgespielt und geben so einen vereinfachten Überblick über den Ablauf. Werbetreibende nutzen außerdem Photomatics, also aneinandergeschnittene Fotos mit Geräuschen und Sprechertext, um die Wirkung eines geplanten Spots zu prüfen, bevor er vollständig produziert wird.
Für dich als Videograf ist das Animatic vor allem bei Spots mit fester Länge hilfreich. Legst du die Panels im Schnittprogramm auf eine Zeitleiste und unterlegst sie mit einem Layout Sprechertext und Musik, siehst du sofort, ob die geplanten Einstellungen in die vorgesehene Zeit passen.
Storyboard, Shotlist und Drehplan
Die drei Dokumente bauen aufeinander auf. Das Storyboard zeigt die Bildidee in der Reihenfolge des fertigen Films. Die Shotlist übersetzt diese Idee in eine Tabelle mit Einstellungsgröße, Bewegung, Objektiv und Ton, mit der das Team am Set arbeitet. Der Drehplan sortiert die Einstellungen schließlich nach Drehort, Licht und Zeit, denn gedreht wird selten in der Reihenfolge des Films. Daraus entsteht für jeden Drehtag die Tagesdisposition.
Damit das funktioniert, müssen die Nummern überall gleich sein. Panel 4.2 im Storyboard ist Zeile 4.2 in der Shotlist. Mehr zu den nächsten Schritten findest du in den Beiträgen Shotlist erstellen und Checkliste Dreharbeiten. Welche Brennweite du für ein Panel vorsehen kannst, erklärt unser Überblick zu Objektiven zum Filmen.

