Eine Shotlist ist die Einkaufsliste deines Drehtags. Sie hält fest, welche Einstellungen du brauchst, in welcher Größe, mit welcher Bewegung und mit welchem Objektiv. Wenn du eine Shotlist erstellen willst, lohnt sich die Mühe: Du gehst mit einem klaren Plan ans Set, vergisst keine Einstellung und kann den Tag realistisch takten. Dieser Leitfaden zeigt, wie du vorgehst und welche Spalten eine gute Liste braucht.
Shotlist, Storyboard und Drehplan
Das Storyboard zeigt die Bilder als Skizzen und macht die Bildidee sichtbar. Die Shotlist übersetzt diese Idee in eine Tabelle, mit der das Team am Set arbeitet. Der Drehplan ordnet die Einstellungen schließlich nach Zeit und Ort. Für kleine Produktionen genügt oft eine gut gemachte Shotlist, bei aufwendigen Szenen lohnt sich zusätzlich ein Storyboard.
Die Spalten einer Shotlist
| Spalte | Inhalt |
|---|---|
| Nummer | Szene und Einstellung, zum Beispiel 3.2 |
| Beschreibung | Was im Bild passiert, in einem Satz |
| Einstellungsgröße | Totale, Halbtotale, Halbnah, Nah, Groß oder Detail |
| Perspektive | Augenhöhe, Untersicht oder Aufsicht |
| Bewegung | Statisch, Schwenk, Fahrt mit Slider oder Kamera Gimbal, Handkamera |
| Objektiv | Brennweite und gegebenenfalls Blende |
| Ton | Originalton, nur Atmo oder kein Ton |
| Ort und Zeit | Drehort, Tageszeit, Lichtsituation |
| Status | Offen oder gedreht, mit Nummer der besten Aufnahme |
Einstellungsgrößen richtig benennen
Damit eine Shotlist funktioniert, müssen alle unter einem Begriff dasselbe verstehen. Im deutschen Sprachraum sind diese Einstellungsgrößen üblich:
- Supertotale: Die Umgebung dominiert, Menschen wirken sehr klein. Typisch als Einstieg in eine Szene.
- Totale: Personen sind vollständig in ihrer Umgebung zu sehen.
- Halbtotale: Personen von Kopf bis Fuß, gut für Gruppen und Bewegung.
- Amerikanische Einstellung: Die Person ist etwa bis zum Knie zu sehen.
- Halbnah: Vom Kopf bis zur Hüfte, entspricht in etwa dem Blick im Gespräch.
- Nah: Kopf und Teil der Schultern, die Mimik steht im Vordergrund.
- Groß und Detail: Nur ein Ausschnitt, etwa Augen, Hände oder ein Produkt.
Shotlist erstellen in fünf Schritten
- Szenen festlegen: Zerlege Skript oder Konzept in einzelne Szenen, jeweils mit Ort und Inhalt.
- Einstellungen ableiten: Überlege für jede Szene, welche Bilder der Schnitt braucht. Eine Faustregel ist eine Totale zur Orientierung, dazu nähere Einstellungen für Details und Reaktionen.
- Technik eintragen: Einstellungsgröße, Bewegung, Objektiv und Ton je Einstellung. Welche Brennweite zu welcher Bildwirkung passt, erklärt unser Überblick zu Objektiven zum Filmen.
- Nach Drehorten sortieren: Gedreht wird selten in der Reihenfolge des Films. Fasse Einstellungen mit gleichem Ort, gleicher Lichtsituation und gleichem Aufbau zusammen.
- Zeit schätzen: Plane für jede Einstellung Aufbau, Proben und mehrere Takes ein und prüfe, ob der Tag realistisch ist.
Achsensprung vermeiden
Bei Gesprächen und Bewegungen achtest du auf die Handlungsachse. Zwischen zwei Personen verläuft eine gedachte Linie, und die Kamera bleibt auf einer Seite davon. So bleibt erhalten, wer links und wer rechts im Bild steht, und der Zuschauer behält die Orientierung. Vermerke die Achse in der Shotlist, damit auch Einstellungen, die an verschiedenen Tagen gedreht werden, im Schnitt zusammenpassen.
Typische Fehler
Zu knapp geplante Tage sind der häufigste Fehler. Eine Liste mit vierzig Einstellungen für einen halben Drehtag hilft niemandem. Ebenso problematisch sind Listen ohne Prioritäten. Markiere die Einstellungen, ohne die der Film nicht funktioniert, damit du bei Zeitdruck weißt, was du streichen kannst. Und denk an Schnittbilder: kurze Details und Umgebungsaufnahmen, die dir später im Schnitt Luft verschaffen.
