Objektive zum Filmen: Brennweite, Blende und Bauart

Was beim Objektiv für Video wirklich zählt, mit interaktivem Schnittmodell einer Optik.

Filmkamera mit Objektiv und Mattebox im warmen Gegenlicht

Das Objektiv entscheidet mehr über die Bildwirkung eines Films als die Kamera dahinter. Es legt fest, wie viel vom Motiv ins Bild kommt, wie stark der Hintergrund in Unschärfe fällt und wie sich das Bild verhält, wenn du während der Aufnahme die Schärfe ziehst. Dieser Überblick erklärt die Grundlagen, die für Objektive zum Filmen wirklich zählen: Brennweite, Blende, Bauart und die Eigenheiten, die beim Fotografieren kaum auffallen, im Video aber sofort sichtbar werden.

Brennweite und Bildwirkung

Die Brennweite bestimmt den Bildwinkel, also wie groß der Ausschnitt ist, den das Objektiv auf den Sensor bringt. Berechnen lässt er sich mit der Formel α = 2 · arctan(d / 2f). Dabei ist d die Breite, Höhe oder Diagonale des Sensors und f die Brennweite. Je länger die Brennweite, desto enger der Bildwinkel.

Als Normalbrennweite gilt eine Brennweite, die ungefähr der Sensordiagonale entspricht. Bei Vollformat mit 36 × 24 mm sind das rechnerisch 43,3 mm. In der Praxis hat sich trotzdem 50 mm als Normalbrennweite durchgesetzt. Kürzere Brennweiten nennt man Weitwinkel, längere Tele.

Ein verbreiteter Irrtum betrifft die Perspektive. Die Brennweite selbst verändert sie nicht. Die Größenverhältnisse zwischen Vordergrund und Hintergrund hängen allein vom Abstand zwischen Kamera und Motiv ab. Ein Teleobjektiv wirkt nur deshalb verdichtend, weil du damit weiter weg stehst. Bleibt der Standort gleich, ändert eine andere Brennweite lediglich den Ausschnitt.

Selbst ausprobieren: das Schnittmodell einer Optik

Im Modell unten siehst du eine vereinfachte Linse vor dem Sensor. Verändere Brennweite, Fokusdistanz und Blende und beobachte, wie sich der Lichteinfall, der Bildwinkel und der Abstand zwischen Linse und Sensor verschieben. Stellst du auf ein nahes Motiv scharf, muss die Linse weiter vom Sensor weg. Genau diese Bewegung übernimmt der Fokusmechanismus eines echten Objektivs.

Schnittmodell einer Optik Seitenansicht einer vereinfachten Linse vor dem Sensor. Lichtstrahlen vom Motiv werden gebrochen und treffen sich auf dem Sensor. Brennweite, Fokusdistanz und Blende lassen sich einstellen.
Vereinfachtes Modell einer dünnen Linse nach der Linsengleichung 1/f = 1/g + 1/b. Linse, Sensor und Strahlen sind maßstäblich gezeichnet, das Motiv liegt meist weit links außerhalb des Bildes. Der gelbe Lichtkegel zeigt, wie ein Punkt auf der Achse scharf auf dem Sensor abgebildet wird, der blaue Bereich den vertikalen Bildwinkel. Echte Objektive bestehen aus vielen Linsengruppen und verhalten sich im Detail anders.

Das Modell folgt der Linsengleichung 1/f = 1/g + 1/b. Die Gegenstandsweite g ist der Abstand zum Motiv, die Bildweite b der Abstand zwischen Linse und Sensor. Ein echtes Objektiv besteht aus vielen Linsen und Linsengruppen, das Prinzip bleibt aber dasselbe.

Blende, Lichtstärke und T Stop

Die Blendenzahl, auch f Zahl genannt, ist das Verhältnis von Brennweite zum Durchmesser der Eintrittspupille. Die volle Blendenreihe lautet f/1, 1,4, 2, 2,8, 4, 5,6, 8, 11, 16 und 22. Von Stufe zu Stufe halbiert sich die Lichtmenge. Die kleinste Blendenzahl eines Objektivs nennt man Lichtstärke.

Nahaufnahme eines Objektivs mit farbigen Reflexionen auf der Frontlinse
Vergütungen auf den Linsen reduzieren Reflexionen, ganz ohne Lichtverlust arbeitet aber kein Objektiv.

Die f Zahl geht von einem idealen Objektiv aus, das alles Licht durchlässt. Echte Objektive verlieren im Glas und an den Oberflächen einen Teil davon. Der T Stop berücksichtigt diesen Verlust und gibt an, wie hell das Bild tatsächlich wird. Er lässt sich als f Zahl geteilt durch die Wurzel des Transmissionsgrads berechnen. Ein Objektiv mit f/2 und 75 Prozent Transmission hat demnach etwa T2,3. Der T Stop liegt deshalb immer über der f Zahl. Im Film arbeitet man mit T Stops, weil die Belichtung dann beim Objektivwechsel gleich bleibt.

Wie stark der Hintergrund in Unschärfe fällt, hängt neben der Blende von Brennweite, Motivabstand und Sensorgröße ab. Das Zusammenspiel erklären wir ausführlich im Artikel über Sensorgrößen, inklusive Rechner für die Schärfentiefe.

Festbrennweite oder Zoom

Festbrennweiten haben eine einzige Brennweite und sind oft lichtstärker, kleiner und leichter als Zooms. Zoomobjektive decken einen Brennweitenbereich ab und sparen am Set Zeit, weil du den Ausschnitt ohne Objektivwechsel anpasst. Für schnelle Dokumentar und Eventdrehs ist ein Standardzoom wie ein 24 bis 70 mm deshalb oft die erste Wahl, für kontrollierte Szenen mit geringer Schärfentiefe greifen viele zu Festbrennweiten.

Beim Filmen kommt ein Punkt hinzu, der beim Fotografieren kaum auffällt: Bei vielen Zooms verschiebt sich beim Zoomen die Schärfe. Objektive, die beim Zoomen scharf bleiben, heißen parfokal. Das ist vor allem wichtig, wenn du während der Aufnahme zoomst.

Foto Objektiv und Cine Objektiv

Cine Objektive sind für die Arbeit mit Schärfeassistenz gebaut. Typisch sind Blenden in T Stops, Zahnkränze für Follow Focus Systeme, lange Fokuswege für präzises Schärfeziehen und ein stufenloser Blendenring. Ein Beispiel ist das ZEISS CP.3 50 mm T2.1, das es für mehrere Bajonette gibt. Foto Objektive mit Autofokus sind dagegen leichter und oft günstiger. Viele aktuelle Modelle bringen inzwischen Funktionen für Video mit, etwa einen Blendenring, dessen Rastung sich abschalten lässt. Beim Sony FE 24-70 mm F2.8 GM II nennt Sony zum Beispiel einen Blendenring mit Click Schalter und Iris Lock.

Focus Breathing und manuelle Schärfe

Viele Objektive verändern beim Fokussieren leicht ihren Bildwinkel. Ziehst du die Schärfe von vorn nach hinten, wirkt das Bild dann, als würde es ein wenig zoomen. Dieser Effekt heißt Focus Breathing. Auf Fotos sieht man ihn nicht, im Video fällt er bei jedem Schärfewechsel auf. Einige Kamerahersteller bieten inzwischen eine Kompensation in der Kamera an, die mit kompatiblen Objektiven arbeitet. Das Modell oben zeigt das Prinzip: Rückt die Linse beim Nahfokus vom Sensor weg, wird der Bildwinkel kleiner.

Anamorphotische Objektive und Breitbild

Anamorphotische Objektive stauchen das Bild horizontal zusammen, damit ein breiteres Bildfeld auf den Sensor passt. In der Nachbearbeitung wird es wieder entzerrt. So entsteht das klassische Kinoformat 2,39 : 1, das seit 1970 als Standard für anamorphotische Kinovorführungen gilt. Typisch für diese Objektive sind ovale Unschärfekreise und horizontale Lichtreflexe.

Bajonett, Bildkreis und Adapter

Das Bajonett ist die mechanische und elektrische Verbindung zur Kamera, etwa Sony E, Canon RF, Nikon Z, L Mount oder PL bei Cinema Kameras. Der Bildkreis beschreibt, für welche Sensorgröße ein Objektiv gerechnet ist. Ein Objektiv für Vollformat lässt sich an einer Super 35 Kamera nutzen, umgekehrt entstehen oft dunkle Ecken. Adapter erweitern die Möglichkeiten, können aber Funktionen wie Autofokus oder Bildstabilisierung einschränken.

Filtergewinde und Zubehör

Beim Filmen arbeitest du häufig mit ND Filtern, um trotz offener Blende und einer Verschlusszeit nach der 180 Grad Regel richtig zu belichten. Die Regel lautet: Verschlusszeit gleich 1 geteilt durch die doppelte Bildrate, bei 24 Bildern pro Sekunde also 1/48 Sekunde. Achte deshalb auf das Filtergewinde deiner Objektive. Nutzen mehrere Objektive denselben Durchmesser, etwa 82 mm, reicht ein Filtersatz für alle.

Objektive nach Hersteller in der Datenbank

In unserer Objektiv Datenbank findest du technische Daten beliebter Objektive für Video, sortiert nach Hersteller und mit Quellenangabe. Zu jedem Eintrag siehst du Bajonett, Bildkreis, Lichtstärke, Filtergewinde, Gewicht und die Merkmale, die beim Filmen zählen, dazu die Kameras mit passendem Bajonett aus der Kamera Datenbank.

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