Checkliste Dreharbeiten: vom Packen bis zum Backup

Akkus, Karten, Genehmigungen, Einwilligungen: Diese Punkte gehen Profis vor, während und nach jedem Drehtag durch.

Filmklappe wird vor einer Videokamera am Set geschlagen

Ein Drehtag ist teuer und lässt sich selten wiederholen. Eine Checkliste Dreharbeiten sorgt dafür, dass du nichts Wichtiges vergisst, vom Akku bis zur Einverständniserklärung. Dieser Beitrag geht die Phasen der Reihe nach durch: Vorbereitung, Technik, Genehmigungen, der Tag vor dem Dreh, die Arbeit am Set und alles, was nach Drehschluss zu tun ist. Nutze ihn als Grundlage und passe ihn an deine Projekte an.

Checkliste Dreharbeiten: die Vorbereitung

Die meisten Probleme am Set entstehen Tage vorher. Prüfe deshalb in der Vorbereitung vor allem diese Punkte:

  • Konzept und Freigabe: Liegt ein freigegebenes Konzept vor, und weiß der Kunde, was er bekommt? Wie du dahin kommst, erklärt der Beitrag Videokonzept erstellen.
  • Storyboard und Shotlist: Welche Einstellungen brauchst du, und welche sind unverzichtbar? Hilfe bieten die Beiträge Storyboard erstellen und Shotlist erstellen.
  • Drehplan: Einstellungen nach Ort, Licht und Zeit sortieren und den Tag realistisch takten.
  • Location: Vorher besichtigen, Stromanschlüsse, Lautstärke, Tageslicht und Parkmöglichkeiten prüfen.
  • Menschen: Wer steht vor der Kamera, wer ist Ansprechpartner vor Ort, wer entscheidet bei Fragen am Set?

Technik: packen nach Liste

Eine feste Packliste spart Nerven. Gehe sie für jeden Dreh durch und hake ab, statt aus dem Gedächtnis zu packen.

BereichPrüfen
KameraGehäuse, Firmware, Einstellungen wie Auflösung, Bildrate und Log Profil, Ersatzgehäuse bei wichtigen Terminen
Objektive und FilterPassende Brennweiten, Deckel, Reinigungstuch, ND Filter
StromAkkus geladen und gezählt, Ladegeräte, Netzteile, Verlängerung und Mehrfachstecker
SpeicherGenug Speicherkarten mit gesicherten alten Inhalten, Kartenleser, Laufwerke für die Sicherung
TonMikrofone, Funkstrecke, Windschutz, Kopfhörer, Batterien
LichtLeuchten, Stative, Diffusion, Farbfolien, Sandsäcke
HalterungenVideostativ mit Fluidkopf, Kamera Gimbal, Slider
KleinkramGaffer Tape, Werkzeug, Kabelbinder, Graukarte, Klappe

Welche Speicherkarten zu deiner Kamera passen, findest du in unseren Kameradaten und im Beitrag Speicherkarte für Video. Einzelheiten zu Ton und Licht erklären die Beiträge Mikrofon für Video und LED Licht zum Filmen.

Genehmigungen und Einverständnis

Dieser Teil der Checkliste Dreharbeiten wird am häufigsten unterschätzt. Die Regeln hängen vom Ort, vom Zweck und von den gefilmten Personen ab. Die folgenden Punkte geben nur einen allgemeinen Überblick.

Drehen im öffentlichen Raum

Wer Straßen, Wege oder Plätze für Aufnahmen nutzt, braucht dafür unter Umständen eine Genehmigung der Stadt. Zuständigkeit, Fristen und Gebühren unterscheiden sich von Kommune zu Kommune. Ein Beispiel ist München: Dort ist keine Genehmigung nötig, wenn unter anderem nur auf Gehwegen oder in Fußgängerzonen gefilmt wird, ohne den Fußverkehr zu behindern, nur Hand oder Schulterkamera, höchstens eine Kamera mit Stativ, Mikrofon, Tonangel und kleine Handlampen genutzt werden und nicht mehr als fünf Personen beteiligt sind. Als Vorlauf gelten in der Regel zehn Arbeitstage zwischen vollständigem Antrag und Drehtermin. In Berlin liegt die Bearbeitungszeit für die Straßensondernutzung bei Filmaufnahmen bei etwa einem Monat, zuständig ist dort das Bezirksamt des Drehorts. Erkundige dich also früh bei der zuständigen Stelle deines Drehorts. Auf Privatgelände brauchst du die Erlaubnis des Eigentümers oder Hausrechtsinhabers, am besten schriftlich.

Personen im Bild

Das Recht am eigenen Bild ist in Paragraf 22 des Kunsturhebergesetzes geregelt. Danach dürfen Bildnisse nur mit Einwilligung der abgebildeten Person verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Paragraf 23 nennt Ausnahmen, etwa für Bilder, auf denen Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen, oder für Bilder von Versammlungen und ähnlichen Vorgängen. Auch diese Ausnahmen gelten nicht, wenn berechtigte Interessen der abgebildeten Person verletzt werden.

Hinzu kommt der Datenschutz. Seit dem 25. Mai 2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung für die Anfertigung und Veröffentlichung von Personenfotografien, das Kunsturhebergesetz greift daneben nur noch für journalistische, künstlerische, wissenschaftliche oder literarische Zwecke. Für andere Zwecke braucht es eine Rechtsgrundlage nach Artikel 6 Absatz 1 DSGVO, etwa eine Einwilligung, einen Vertrag oder ein berechtigtes Interesse. Für Kinder gelten besondere Schutzmaßstäbe. Das betrifft zunächst Fotos, bei Videoaufnahmen stellen sich vergleichbare Fragen.

Für die Praxis heißt das: Kläre mit deinem Auftraggeber vor dem Dreh, wer die Einwilligungen einholt, und halte sie schriftlich fest. Beschreibe darin verständlich, wofür und wo das Material genutzt wird.

Drohnen und besondere Orte

Für Aufnahmen mit Drohnen gelten eigene Regeln, über die das Luftfahrt-Bundesamt informiert. Mehr dazu im Beitrag Drohne filmen. Auch Bahnhöfe, Museen, Behörden oder Betriebsgelände haben oft eigene Vorgaben. Frage im Zweifel vorher nach.

Der Tag vor dem Dreh

In größeren Produktionen erhält das Team am Vortag die Tagesdisposition, kurz Dispo oder Call Sheet. Sie fasst Drehorte, Zeitplan, Pensum, Kontakte und organisatorische Details wie Parkplätze oder Anreisezeiten zusammen, oft ergänzt um Wetter und Sonnenaufgangs und Sonnenuntergangszeiten. Auch bei kleinen Drehs lohnt sich eine kurze Version für alle Beteiligten.

  • Akkus laden und Anzahl prüfen.
  • Alte Inhalte der Speicherkarten sichern und die Karten danach in der Kamera formatieren.
  • Kamera einmal komplett aufbauen und kurz testen, auch den Ton.
  • Wetter und Sonnenstand für Außenaufnahmen prüfen.
  • Anfahrt, Parken und Zugang zur Location klären.
  • Einverständniserklärungen und Genehmigungen ausdrucken oder digital bereithalten.

Am Set

Plane nach der Ankunft genug Zeit für Aufbau und Licht ein. Sichere Kabel und Stative, damit niemand stolpert. Vor der ersten Aufnahme prüfst du Weißabgleich, Belichtung und Ton mit Kopfhörern. Eine kurze Tonprobe mit den Protagonisten erspart dir später unbrauchbare Takes.

Arbeite die Shotlist nach Priorität ab und hake gedrehte Einstellungen ab. Notiere, welcher Take der beste war. Vergiss die Schnittbilder nicht: Details, Umgebung und Hände bei der Arbeit geben dir im Schnitt Luft. Hole Einverständniserklärungen am besten vor der Aufnahme ein, solange alle Zeit haben. Wenn es der Ablauf zulässt, sicherst du volle Karten schon während des Drehtags. Wie das zuverlässig gelingt, beschreibt der Beitrag Datensicherung am Set.

Nach dem Dreh

  • Daten sichern: Bevor Karten gelöscht werden, sollte das Material auf mindestens zwei getrennten Datenträgern liegen und stichprobenartig geprüft sein.
  • Location übergeben: Aufräumen, Schäden melden, Schlüssel zurückgeben.
  • Unterlagen ablegen: Einverständniserklärungen, Genehmigungen und Notizen zum Projekt archivieren.
  • Technik nachbereiten: Akkus laden, defekte Teile notieren, Packliste aktualisieren.
  • Kunden informieren: Kurz melden, dass der Dreh abgeschlossen ist und wann die erste Schnittfassung kommt.

Die Nachbereitung ist zugleich die Vorbereitung für den nächsten Dreh. Was heute gefehlt hat, gehört morgen auf die Liste.

Hinweis

Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Für konkrete Fragen zu Genehmigungen, Persönlichkeitsrechten oder Datenschutz wende dich an die zuständige Behörde oder an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.

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