Das Schnittprogramm ist das Werkzeug, in dem aus einzelnen Clips ein Film wird. Für professionelle Videografen stehen drei Programme im Mittelpunkt: DaVinci Resolve von Blackmagic Design, Adobe Premiere und Final Cut Pro von Apple. Sie unterscheiden sich weniger im Grundprinzip als in Betriebssystem, Lizenzmodell, Umgang mit Codecs, Farbwerkzeugen und Zusammenarbeit. Dieser Beitrag ordnet die drei anhand dieser Kriterien ein. Die Angaben stammen, wo nicht anders genannt, von den Herstellern, Stand September 2026.
Die drei Programme im Überblick
| Kriterium | DaVinci Resolve 21 | Adobe Premiere 26 | Final Cut Pro |
|---|---|---|---|
| Betriebssystem | macOS (Apple Silicon), Windows, Linux | Windows, macOS | macOS, zusätzlich eigene iPad Version |
| Lizenz | kostenlose Version und kostenpflichtige Studio Version | nur im Monats oder Jahresabo | Abo über Apple Creator Studio oder einmaliger Kauf |
| Farbwerkzeuge | eigener Arbeitsbereich Color, HDR Grading auch in der kostenlosen Version | Lumetri Color, Farbräder, Kurven und Videoscopes | Farbkurven, Farbräder im Farbinspektor, LUTs |
| Zusammenarbeit | Mehrbenutzerbetrieb, Blackmagic Cloud | Frame.io | siehe Abschnitt zu Final Cut Pro |
DaVinci Resolve: kostenlose Version und Studio
DaVinci Resolve vereint laut Blackmagic Schnitt, Farbkorrektur, visuelle Effekte, Motion Graphics und Audio in einer Anwendung und läuft unter macOS, Windows und Linux. Auf dem Mac setzt Version 21 laut den Mindestanforderungen von Blackmagic einen Rechner mit Apple Silicon voraus.
Die kostenlose Version beschreibt Blackmagic als kompatibel mit praktisch allen 8 Bit Videoformaten bis 60 Bilder pro Sekunde in Auflösungen bis Ultra HD mit 3840 × 2160 Pixeln. Mehrbenutzer Kollaboration und HDR Grading sind laut Hersteller bereits enthalten. Die Studio Version unterstützt 10 Bit Video bis 120 Bilder pro Sekunde und Auflösungen über 4K, laut Produktseite bis 32K. Hinzu kommen die DaVinci Neural Engine für KI Funktionen, zusätzliche Resolve FX, zeitliche und räumliche Rauschreduzierung, textbasiertes Editing, Magic Mask, die Nutzung mehrerer GPUs sowie hardwarebeschleunigtes Decodieren und Encodieren von H.264 und H.265. Auch Grading und Rendering in Dolby Vision und HDR10+ nennt Blackmagic als Studio Funktion.
Für die Praxis ist die Grenze bei der Bittiefe entscheidend. Wenn du mit einem Log Profil in 10 Bit drehst, prüfe mit einem kurzen Probeclip, ob die kostenlose Version dein Kameraformat so verarbeitet, wie du es brauchst. Die Studio Version ist eine Kauflizenz.
Adobe Premiere: der Klassiker im Abo
Mit Version 26 wurde Adobe Premiere Pro in Adobe Premiere umbenannt. Das Programm läuft unter Windows und macOS. Eine Kaufversion gibt es nicht: Laut Adobe ist Premiere nur als Mitgliedschaft mit monatlicher oder jährlicher Bindung erhältlich.
Für die Farbe steht in Premiere das Bedienfeld Lumetri Color zur Verfügung. Auf seiner Produktseite nennt Adobe professionelle Farbräder und Kurven sowie eingebaute Videoscopes. Bei der Zusammenarbeit setzt Adobe auf Frame.io, das in Creative Cloud enthalten ist und laut Adobe mit einem eigenen Bedienfeld direkt in Premiere eingebunden wird. Unter Windows setzt Premiere laut einer Ankündigung von Adobe mindestens Windows 11 in Version 24H2 voraus, ab Version 27 soll auf dem Mac macOS 15 auf Apple Silicon Pflicht werden.
Final Cut Pro: eng mit dem Mac verzahnt
Final Cut Pro gibt es laut Apple für den Mac und in einer eigenen Version für das iPad. Auf dem Mac setzt das Programm macOS 15.6 oder neuer voraus, einige Funktionen benötigen einen Mac mit Apple Chip. Final Cut Pro ist Teil des Abos Apple Creator Studio, das Apple 30 Tage kostenlos zum Testen anbietet. Alternativ ist Final Cut Pro als einmaliger Kauf erhältlich, wobei laut Apple einige Premiuminhalte dem Abo vorbehalten sind.
Apple nennt für die Farbkorrektur Farbkurven, Kurven für Farbton und Sättigung, einen Farbinspektor mit Farbrädern und die Anwendung von LUTs. HDR Bearbeitung ist auf passenden Apple Displays möglich, ProRes RAW wird unterstützt. Wenn die Wiedergabe nicht flüssig ist, wandelt Final Cut Pro Material auf Wunsch in optimierte Medien im Format ProRes 422 oder in Proxy Medien um. Für den Export arbeitet es mit Compressor zusammen, das unter anderem HEVC, HDR und MXF ausgibt. Eine Funktion für gleichzeitiges Arbeiten mehrerer Personen am selben Projekt, wie sie Blackmagic und Adobe beschreiben, stellt Apple auf der Produktseite nicht heraus. Wenn du im Team schneidest, kläre diesen Punkt vorab.
Kriterien für dein Schnittprogramm
Betriebssystem
Die erste Entscheidung trifft oft der Rechner. Wer unter Windows oder Linux arbeitet, kann Final Cut Pro nicht nutzen. Wer auf einem Mac mit Intel Prozessor arbeitet, erfüllt die Mindestanforderungen von DaVinci Resolve 21 nicht. Welche Hardware die Programme im Einzelnen verlangen, steht im Beitrag zum PC für Videoschnitt.
Codecs und Kameraformate
Schau zuerst, in welchem Video Codec deine Kamera aufzeichnet. Stark komprimierte Formate in H.264 oder H.265 profitieren von Hardwarebeschleunigung, die bei Resolve laut Blackmagic der Studio Version vorbehalten ist. Apple beschreibt ProRes als Intra Codec, bei dem jedes Bild unabhängig codiert wird, was laut Apple die größte Leistung und Flexibilität beim Schnitt ermöglicht. Die Aufnahmeformate vieler Kameras findest du in unseren Kameradaten.
Farbkorrektur
Alle drei Programme bieten Werkzeuge für Korrektur und Look. Resolve bringt dafür einen eigenen Arbeitsbereich mit und verarbeitet Bilder laut Blackmagic mit 32 Bit Fließkomma. Premiere bündelt die Farbwerkzeuge im Bereich Lumetri Color, Final Cut Pro im Farbinspektor. Wer im Team mit einem Coloristen arbeitet, sollte klären, in welchem Programm das Grading stattfindet. Grundlagen dazu erklären die Beiträge zu Color Grading und LUT.
Zusammenarbeit
Arbeitest du allein, spielt dieser Punkt kaum eine Rolle. Im Team oder mit Kunden, die Feedback geben, lohnt der Blick auf Mehrbenutzerbetrieb und Freigabewerkzeuge. Hier beschreiben Blackmagic und Adobe die ausführlicheren Funktionen.
Fazit
Es gibt kein Schnittprogramm, das für jeden passt. Resolve bietet einen sehr großen Funktionsumfang schon kostenlos, verlangt für 10 Bit, hohe Bildraten und Hardwarebeschleunigung aber die Studio Version. Premiere ist plattformübergreifend und in die Adobe Welt eingebunden, läuft aber nur im Abo. Final Cut Pro ist eng mit Apple Hardware verzahnt und wahlweise im Abo oder als Kauf erhältlich. Ein Probeprojekt mit deinem eigenen Material sagt dir am Ende mehr als jede Tabelle.
