Ein PC für Videoschnitt muss vor allem eines können: dein Material flüssig abspielen, während du schneidest, Farben korrigierst und am Ende exportierst. Welche Bauteile dabei welche Aufgabe übernehmen, hängt stark vom Schnittprogramm und vom Codec deiner Kamera ab. Dieser Überblick erklärt die Rolle von Prozessor, Grafikkarte, Arbeitsspeicher und SSD und stützt sich bei den Zahlen auf offizielle Angaben von Blackmagic Design, Apple, Adobe und Intel.
Was ein PC für Videoschnitt leisten muss
Beim Schnitt arbeitet der Rechner an mehreren Stellen gleichzeitig. Komprimiertes Kameramaterial muss in Echtzeit decodiert werden, Effekte und Farbkorrekturen werden berechnet, und beim Export wird alles wieder neu codiert. Welche Komponente zum Engpass wird, hängt also davon ab, womit du drehst. Ein Clip in einem stark komprimierten Long GOP Format belastet den Rechner anders als ein Intra Codec wie Apple ProRes, bei dem laut Apple jedes Bild unabhängig von den anderen codiert und decodiert wird. Mehr dazu findest du im Beitrag zum Thema Video Codec.
Offizielle Systemanforderungen im Vergleich
Die folgende Tabelle fasst die Mindestanforderungen zusammen, die Blackmagic für DaVinci Resolve 21 und Apple für Final Cut Pro nennen. Für Adobe Premiere findest du die Eckdaten im Absatz darunter.
| Programm | Betriebssystem (Minimum) | Arbeitsspeicher | Grafik |
|---|---|---|---|
| DaVinci Resolve 21, Windows | Windows 10 Creators Update | 16 GB, 32 GB mit Fusion | integrierte oder dedizierte GPU mit mindestens 4 GB VRAM |
| DaVinci Resolve 21, macOS | macOS 15 Sequoia, Rechner mit Apple Silicon | 8 GB, 16 GB mit Fusion | Apple Silicon |
| DaVinci Resolve 21, Linux | Rocky Linux 8.6 | 32 GB | dedizierte GPU mit mindestens 4 GB VRAM |
| Final Cut Pro, macOS | macOS 15.6 | 8 GB, empfohlen 16 GB | Metal kompatible Grafikkarte (nur bei Macs mit Intel Prozessor) |
Blackmagic nennt für DaVinci Resolve 21 zusätzliche Werte, die in der Praxis wichtiger sind als das Minimum. Auf dem Mac sollen es mindestens 16 GB Arbeitsspeicher für die erweiterten KI Werkzeuge und 32 GB für Rendern und Analyse im Hintergrund sein. Unter Windows verlangt Blackmagic für die erweiterten KI Werkzeuge mindestens 16 GB VRAM und für das Rendern im Hintergrund 32 GB Arbeitsspeicher und 12 GB VRAM. Die Grafikkarte muss OpenCL 1.2 oder CUDA 12.8 unterstützen. Auf dem Mac setzt Resolve 21 laut Mindestanforderungen einen Rechner mit Apple Silicon voraus. Für Final Cut Pro nennt Apple außerdem 7,2 GB freien Speicherplatz, einige Funktionen erfordern einen Mac mit Apple Chip.
Adobe hat in einer Ankündigung im eigenen Community Forum bestätigt, dass Premiere unter Windows mindestens Windows 11 in Version 24H2 voraussetzt. Ab Version 27 will Adobe auf dem Mac nur noch macOS 15 auf Apple Silicon unterstützen, Macs mit Intel Prozessor fallen dann heraus. Außerdem startet Premiere ab dieser Version laut Adobe nicht mehr, wenn keine GPU erkannt wird. Prüfe vor einem Kauf deshalb immer die aktuelle Anforderungsseite des Herstellers.
Prozessor: Decodieren, Effekte, Export
Der Prozessor ist für Decodierung, viele Effekte und den Export zuständig, sobald keine spezialisierte Hardware einspringt. Viele Intel Prozessoren bringen mit Quick Sync eine solche Hardware bereits mit. Intel schreibt, dass Prozessoren ab der 10. Generation HEVC mit 4:2:2 Farbunterabtastung per Quick Sync in Hardware codieren und decodieren können. Die 9. Generation und ältere Modelle waren bei HEVC auf 4:2:0 beschränkt. Zeichnet deine Kamera in HEVC mit 4:2:2 auf, ist dieser Unterschied für dich besonders relevant, denn ohne passende Hardware muss der Prozessor diese Arbeit allein erledigen.
Grafikkarte und Hardwarebeschleunigung für H.264 und H.265
Die Grafikkarte rechnet in modernen Schnittprogrammen einen großen Teil der Effekte und Farbkorrekturen. Blackmagic optimiert DaVinci Resolve Studio für Metal und die Unified Memory GPUs von Apple Silicon auf dem Mac sowie für OpenCL und CUDA unter Windows und Linux. Die Studio Version kann laut Blackmagic zusätzlich mehrere GPUs nutzen und bietet hardwarebeschleunigtes Decodieren und Encodieren von H.264 und H.265.
Auf dem Mac beschleunigt laut Apple die Media Engine in Apple Chips die Wiedergabe und den Export von ProRes. Compressor, das Exportwerkzeug zu Final Cut Pro, nutzt laut Apple Hardwarebeschleunigung für die Codierung in H.264 und HEVC.
Für dich heißt das: Prüfe vor dem Kauf, ob Prozessor oder Grafikeinheit genau die Kombination aus Codec, Bittiefe und Farbunterabtastung decodieren kann, die deine Kamera aufzeichnet. Die Hersteller der Grafikchips veröffentlichen dafür eigene Übersichten. Die Aufnahmeformate deiner Kamera findest du in unseren Kameradaten.
Arbeitsspeicher: wie viel wirklich sinnvoll ist
Die Mindestwerte der Hersteller sind eine Untergrenze, keine Empfehlung für flüssiges Arbeiten. Bei Resolve unter Windows liegt schon das Minimum bei 16 GB, mit Fusion bei 32 GB, und für das Rendern im Hintergrund nennt Blackmagic 32 GB. Apple empfiehlt für Final Cut Pro 16 GB statt der minimal nötigen 8 GB. Wer mit KI Werkzeugen, Effekten oder hohen Auflösungen arbeitet, plant deshalb eher mit den höheren Werten. Prüfe beim Kauf, ob sich der Arbeitsspeicher später erweitern lässt, und plane sonst von Anfang an großzügig.
SSD und Aufteilung der Laufwerke
Schneller Speicher entscheidet mit darüber, ob die Timeline ruckelt, gerade bei Intra Codecs mit hohen Datenraten. Eine sinnvolle Möglichkeit ist eine Trennung nach Aufgaben: ein Laufwerk für Betriebssystem und Programme, ein schnelles Laufwerk für das Videomaterial und eines für Cache und Renderdateien. So konkurrieren die Zugriffe nicht miteinander. Wie viel Platz du brauchst, rechnest du aus der Datenrate deines Codecs aus, eine Anleitung dazu steht im Beitrag Speicherkarte für Video.
Was auf die Arbeitslaufwerke kommt, muss vorher sicher gesichert sein. Wie du das am Drehort organisierst, erklärt der Beitrag zur Datensicherung am Set.
Proxys statt Hardware um jeden Preis
Nicht jeder Engpass muss mit teurer Hardware gelöst werden. Proxys sind niedrig aufgelöste oder leichter zu decodierende Kopien deiner Originaldateien, mit denen du flüssiger schneidest. Final Cut Pro bietet zwei Wege: Optimierte Medien werden in Apple ProRes 422 umgewandelt, Proxy Medien in Apple ProRes 422 Proxy oder H.264, in Bildgrößen von 12,5 bis 100 Prozent des Originals. Zum Vergleich: Apple gibt für ProRes 422 Proxy bei 1920 × 1080 und 29,97 Bildern pro Sekunde eine Zieldatenrate von etwa 45 Mbit/s an. Zu DaVinci Resolve installiert Blackmagic laut Releasehinweisen den Blackmagic Proxy Generator. Mehr zu den Programmen erfährst du im Beitrag zum Schnittprogramm.
Monitor und Farbraum
Die Parameter für HDTV legt die Empfehlung ITU-R BT.709 fest, darunter den Farbraum, der oft kurz Rec.709 genannt wird. Wie ein Flachbildschirm im Studio Helligkeitswerte wiedergeben soll, beschreibt die Empfehlung ITU-R BT.1886.
Blackmagic führt in den Systemanforderungen von Resolve eigens die Software Desktop Video ab Version 12.9 für das Monitoring auf. Gemeint ist die Ausgabe des Bildes über eine Videoschnittstelle von Blackmagic an einen separaten Kontrollmonitor. Wenn du regelmäßig Color Grading für Kunden machst, lohnt es sich, diesen Signalweg einzuplanen, statt nur dem Computermonitor zu vertrauen.
