Color Grading: Grundlagen, Scopes und Workflow

Erst korrigieren, dann gestalten: wie du mit Waveform, Parade und Vektorskop zu einem Look kommst, der zum Ausgabeformat passt.

Bedienpult für Color Grading mit Trackballs und Tasten in der Nahaufnahme

Color Grading ist der Arbeitsschritt, in dem dein Film seinen Look bekommt. Bevor es kreativ wird, steht aber die technische Grundlage: Belichtung, Weißabgleich und Kontrast müssen stimmen, und die Clips einer Szene sollen zueinander passen. Dieser Beitrag erklärt, wie sich Farbkorrektur und Grading unterscheiden, wie du Scopes liest, was bei Log Material anders ist, welche Rolle der Farbraum Rec.709 spielt und wie ein sauberer Arbeitsablauf aussieht.

Farbkorrektur und Color Grading: der Unterschied

Im Alltag werden beide Begriffe oft gleich verwendet. Sinnvoll ist trotzdem eine Trennung. Die Farbkorrektur ist technisch: Sie gleicht Belichtung, Weißabgleich und Kontrast aus und wandelt Log Material in einen Zielfarbraum. Das Grading ist gestalterisch: Es gibt dem Bild eine Stimmung, etwa kühler, wärmer, entsättigter oder kontrastreicher.

Adobe bildet genau diese Reihenfolge im Lumetri Color Panel von Premiere ab. Der Bereich Basic Correction ist laut Adobe für das Anwenden einer LUT und technische Korrekturen von Belichtung und Licht gedacht. Erst danach folgen der Bereich Creative für Looks, Kurven, Farbräder und der Farbabgleich zwischen Clips. DaVinci Resolve und Final Cut Pro bieten vergleichbare Werkzeuge, auch wenn Oberfläche und Begriffe anders sind. Einen Überblick über die Programme gibt der Beitrag zum Schnittprogramm.

Scopes: messen statt schätzen

Dein Auge passt sich an, der Monitor kann falsch eingestellt sein, und das Umgebungslicht verändert die Wahrnehmung. Scopes zeigen dagegen, was tatsächlich im Signal steckt. Adobe beschreibt die Lumetri Scopes in Premiere so:

ScopeWas er zeigt
WaveformHelligkeit und Farbinformation über die Bildbreite. In der Ansicht Luma zeigt Premiere IRE Werte von minus 20 bis 120.
Parade (RGB)Rot, Grün und Blau als getrennte Waveforms nebeneinander. Damit erkennst du Farbstiche.
Vektorskop YUVKreisdiagramm der Farbinformation. Die Sättigung nimmt von der Mitte nach außen zu, der Farbton verläuft im Kreis.
HistogrammVerteilung der Pixel über die Helligkeitsstufen, hilfreich für die Balance von Schatten, Mitteltönen und Lichtern.
Beschreibung nach Adobe, Understand Lumetri Scopes in Premiere.

In der Praxis schaust du auf die Waveform, um Schwarz und Weiß zu setzen, ohne Lichter oder Schatten abzuschneiden. Die Parade hilft beim Weißabgleich: Eine neutral graue Fläche sollte in allen drei Kanälen auf gleicher Höhe liegen. Das Vektorskop zeigt dir, ob die Sättigung aus dem Ruder läuft und ob Hauttöne in einer plausiblen Richtung liegen.

Log Material als Ausgangspunkt

Viele Kameras zeichnen mit einem Log Profil auf, zum Beispiel S-Log3 bei Sony, Canon Log, V-Log bei Panasonic oder N-Log bei Nikon. Canon beschreibt, dass Log Material direkt aus der Kamera verwaschen und flau wirkt. Canon bringt das direkt mit dem größeren Dynamikumfang in Verbindung, den Log festhält. Für das Grading heißt das: Log Material braucht immer eine Umwandlung in den Zielfarbraum. Nikon schreibt dazu, dass N-Log Aufnahmen auch dann gegradet werden müssen, wenn du die Nikon LUT oder eine andere LUT verwendest.

Die Umwandlung kann über eine technische LUT des Kameraherstellers oder über das Farbmanagement des Schnittprogramms laufen. Apple beschreibt etwa für Compressor die Konvertierung von Kamera Log mit LUTs der Hersteller in HDR oder SDR. Mehr zur Aufnahme erklärt der Beitrag zum Log Profil, die Funktionsweise von Lookup Tables der Beitrag zur LUT.

Farbräume: Rec.709 in Kürze

Rec.709 ist die Kurzform für die Empfehlung ITU-R BT.709 der Internationalen Fernmeldeunion. Sie legt die Parameter für HDTV in Produktion und Programmaustausch fest und ist der verbreitete Farbraum für Auslieferungen in SDR. Adobe nennt das entsprechende Preset in Premiere Broadcast 709 (SDR). Für die Wiedergabe auf Flachbildschirmen im Studio hat die ITU mit BT.1886 eine eigene Referenzkurve definiert. HDR Produktionen arbeiten dagegen mit größeren Farbräumen wie Rec. 2020 und den Übertragungskurven HLG oder PQ, die Apple zum Beispiel für den Export aus Final Cut Pro nennt.

Wichtig ist, in welchem Arbeitsfarbraum du gradest. Adobe weist darauf hin, dass Anpassungen im Lumetri Panel vom Arbeitsfarbraum der Sequenz abhängen. Kopierst du sie in eine Sequenz mit anderem Arbeitsfarbraum, sehen sie anders aus. Adobe rät deshalb, den Arbeitsfarbraum einer Sequenz nach begonnenen Farbanpassungen nicht mehr zu ändern.

Ein Arbeitsablauf, der funktioniert

Die Reihenfolge ist in allen Programmen ähnlich und orientiert sich an dem Ablauf, den Adobe für Premiere beschreibt:

  • Farbraum festlegen: Arbeitsfarbraum und Ausgabeformat bestimmen, bevor du anfängst.
  • Umwandeln: Log Material mit einer technischen LUT oder über das Farbmanagement in den Zielfarbraum bringen.
  • Korrigieren: Belichtung, Weißabgleich und Kontrast mit Blick auf die Scopes einstellen.
  • Angleichen: Clips einer Szene aufeinander abstimmen, damit Schnitte nicht springen. Premiere bietet dafür den Bereich Color Match.
  • Gestalten: den Look über Kurven, Farbräder oder eine kreative LUT setzen.
  • Prüfen: den fertigen Film auf dem Zielmedium und mit Scopes kontrollieren.

Hilfreich ist es, schon am Set sauber zu arbeiten. Ein korrekter Weißabgleich spart später viel Zeit, dazu mehr im Beitrag zur Farbtemperatur. Auch eine gleichmäßige Lichtsetzung, etwa nach der 3 Punkt Beleuchtung, erleichtert das Angleichen.

Monitor und Arbeitsumgebung

Ein Grading ist nur so zuverlässig wie das Bild, das du dabei siehst. Adobe empfiehlt für HDR Arbeiten in Premiere einen Bildschirm nach DisplayHDR 1000. Blackmagic nennt in den Systemanforderungen von DaVinci Resolve für das Monitoring die Software Desktop Video ab Version 12.9, also die Treibersoftware für Videoschnittstellen von Blackmagic, über die ein separater Kontrollmonitor angesteuert wird. Apple bewirbt die eigenen Liquid Retina XDR und Ultra Retina XDR Displays für Bearbeitung, Farbkorrektur und Auslieferung in HDR mit Final Cut Pro.

Unabhängig vom Gerät gilt: Der Monitor sollte auf denselben Farbraum eingestellt sein, in dem du auslieferst, sonst beurteilst du Farben und Kontrast auf einer falschen Grundlage. Welche Hardware ein Schnittrechner für flüssiges Grading braucht, beschreibt der Beitrag zum PC für Videoschnitt.

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