Eine LUT gehört zu den meistgenutzten und zugleich am häufigsten missverstandenen Werkzeugen in der Farbbearbeitung. Mal soll sie flaues Log Material in ein normales Bild verwandeln, mal einem Film einen bestimmten Look geben. Beides ist möglich, aber es sind zwei verschiedene Aufgaben. Hier erfährst du, was hinter einer Lookup Table steckt, wie sich 1D und 3D LUTs unterscheiden, wann du eine technische und wann eine kreative LUT brauchst und wo die Grenzen liegen.
Was eine LUT ist
LUT steht für Lookup Table, auf Deutsch Nachschlagetabelle. Canon beschreibt eine LUT als eine Reihe mathematischer Anweisungen, die die aufgezeichneten Werte jedes Pixels auf andere RGB Ausgabewerte abbilden. Man kann sie sich wie zwei Zahlenspalten vorstellen: Zu jedem Eingangswert in der einen Spalte gehört ein Ausgangswert in der anderen. Wendest du die LUT auf ein Video an, werden die Werte umgerechnet, und damit ändert sich das Aussehen des Bildes.
Eine LUT rechnet also nichts neu aus dem Bildinhalt heraus. Sie wendet auf jedes Pixel dieselbe feste Zuordnung an, egal ob das Motiv hell, dunkel, bunt oder grau ist.
1D LUT und 3D LUT
Der Unterschied liegt darin, wie die Farbkanäle behandelt werden.
| Typ | Funktionsweise | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| 1D LUT | ordnet jedem Wert eines Kanals einen neuen Wert zu, Rot, Grün und Blau werden getrennt behandelt | Kurven je Kanal, etwa für Kontrast |
| 3D LUT | bildet Rot, Grün und Blau gemeinsam in einem dreidimensionalen Gitter ab | Farbraumwandlung, Log zu Rec.709, Looks |
Canon nennt als Nachteil der 1D LUT, dass sie die Werte von Rot, Grün und Blau nicht miteinander mischen kann. Eine 3D LUT kann das und erlaubt damit gezieltere und komplexere Farbveränderungen.
Das Gitter einer 3D LUT gibt es in verschiedenen Größen. Canon nennt 17, 33 und 65 Gitterpunkte pro Achse. Ein 65er Gitter ist am genauesten, verlangt beim Anwenden im Schnittprogramm aber mehr Rechenleistung. Für die Look File Funktion der EOS C70 akzeptiert Canon zum Beispiel nur 17er oder 33er Gitter im Format .cube. Für eigene LUTs in Compressor nennt Apple die Formate .cube, .mga und .m3d.
Technische LUT und kreative LUT
Die wichtigste Unterscheidung für die Praxis betrifft den Zweck. Adobe formuliert es so: Jede LUT ist dafür gebaut, Bilder in einem bestimmten Farbraum umzuwandeln. Viele Look LUTs sollen Bildern in Rec.709 einen bestimmten Stil geben, etwa einen Filmlook. Andere LUTs wandeln Bilder von einem Farbraum in einen anderen.
Technische LUT
Eine technische LUT, auch Konvertierungs LUT genannt, bringt Material aus einem Log Profil in einen Zielfarbraum wie Rec.709. Sie verändert nicht den Stil, sondern stellt Kontrast und Farbe so her, wie ein normaler Bildschirm sie erwartet. Kamerahersteller stellen solche LUTs selbst bereit. Canon bietet etwa eine LUT von Canon Log nach Rec.709 zum Download an, Nikon eine 3D LUT für den Farbraum Rec.709, passend zu N-Log.
Kreative LUT
Eine kreative LUT legt einen Look fest, zum Beispiel einen Bleach Bypass Look, wie ihn Canon als Beispiel zeigt. Sie setzt voraus, dass das Bild bereits im passenden Farbraum vorliegt, in der Regel Rec.709. Wendest du eine kreative LUT, die für Rec.709 gebaut wurde, direkt auf Log Material an, stimmt das Ergebnis nicht, weil die Eingangswerte nicht zu dem passen, wofür die Tabelle berechnet wurde.
LUT auf Log Material anwenden
Für Log Material bietet sich eine feste Reihenfolge an. Sie entspricht dem Aufbau des Lumetri Panels in Adobe Premiere. Dort ist das Anwenden einer LUT im Bereich Basic Correction vorgesehen, also bei den technischen Korrekturen, während Looks erst im Bereich Creative folgen.
- Zuerst die technische LUT passend zu Kamera, Log Kurve und Farbraum anwenden, etwa für S-Log3 mit S-Gamut3.Cine, oder die Umwandlung dem Farbmanagement des Programms überlassen.
- Dann Belichtung, Weißabgleich und Kontrast mit Blick auf die Scopes korrigieren.
- Erst zum Schluss einen Look setzen, ob mit kreativer LUT oder eigenen Anpassungen.
Nikon weist ausdrücklich darauf hin, dass du N-Log Aufnahmen auch dann graden musst, wenn du die Nikon LUT oder eine andere LUT verwendest. Die LUT ist also ein Startpunkt und kein fertiges Grading. Canon beschreibt LUTs ebenfalls als häufigen Ausgangspunkt für das Grading und als Hilfe beim Monitoring am Set: Mit einer LUT auf dem Kontrollbild siehst du beim Drehen ein Bild in Rec.709, obwohl die Kamera Log aufzeichnet. Sony bietet dafür an Kameras wie der Sony FX3 die Funktion Gamma Display Assist, die S-Log3 Aufnahmen mit einem Kontrast entsprechend ITU709 anzeigt, Nikon die Funktion View Assist.
Grenzen einer LUT
So praktisch eine LUT ist, sie hat klare Grenzen.
Erstens passt eine LUT nur zu dem Material, für das sie gebaut wurde. Canon schreibt für die Look Files der EOS C70, dass die LUTs für Full Range Signale am Ein und Ausgang ausgelegt sein müssen. LUTs für andere Signalkonfigurationen lassen sich zwar laden, liefern aber keine korrekte Umwandlung. Adobe hat aus demselben Grund das Look Menü in Premiere farbraumbewusst gemacht: Du musst angeben, für welchen Farbraum eine LUT gedacht ist.
Zweitens reagiert eine LUT nicht auf das Bild. Sie weiß nicht, ob ein Clip über oder unterbelichtet ist. Eine falsche Belichtung wird durch die LUT nicht korrigiert, sondern mit umgewandelt.
Drittens ist eine LUT eine feste Tabelle mit einer begrenzten Zahl von Gitterpunkten, wie die Angaben von Canon zu 17, 33 und 65 Punkten zeigen. Blackmagic grenzt die eigenen DaVinci Color Transformation Scripts ausdrücklich von LUTs ab: Statt einfacher Nachschlagetabellen verwenden sie auf der GPU berechnete mathematische Funktionen, die das Bild direkt und laut Blackmagic nicht destruktiv umwandeln.
Für den Arbeitsalltag heißt das: Nutze technische LUTs der Hersteller für die Umwandlung und kreative LUTs als Inspiration. Das eigentliche Color Grading findet danach statt. Wie du Log richtig aufzeichnest, erklärt der Beitrag zum Log Profil.

