Ein Imagefilm soll zeigen, wofür ein Unternehmen steht, und nicht nur, was es verkauft. Ein tragfähiges Imagefilm Konzept klärt deshalb vor dem Dreh, welche Form der Film hat, wie er dramaturgisch aufgebaut ist, welche Menschen zu Wort kommen und in welchen Fassungen er auf welchen Kanälen läuft. Dieser Beitrag gibt dir dafür eine praktische Struktur an die Hand.
Was einen Imagefilm ausmacht
Der Imagefilm ist ein kurzer Film, der in werbender Absicht ein Unternehmen, eine Institution, eine Marke oder ein Produkt porträtiert. Im Vergleich zum kürzeren Werbespot steht beim Imagefilm das Porträthafte im Vordergrund, was ihn eher in die Nähe von Reportage und Dokumentation rückt. Ein Produkt wird dabei nicht aktiv angepriesen. Imagefilme kommen online auf Websites, in sozialen Netzwerken und in Newslettern zum Einsatz, offline etwa auf Messen und Veranstaltungen.
Für dein Konzept heißt das: Im Mittelpunkt stehen Haltung, Menschen und Arbeitsweise. Fakten und Leistungen dürfen vorkommen, sie tragen aber selten allein einen Film.
Typische Formen
Unter dem Begriff Imagefilm werden in der Praxis verschiedene Formate zusammengefasst. Die Grenzen sind fließend, doch das Ziel entscheidet über den Aufbau.
| Form | Ziel | Typischer Inhalt |
|---|---|---|
| Unternehmensporträt | Vertrauen und Bekanntheit | Geschichte, Werte, Menschen, Arbeitsweise, Standort |
| Recruitingfilm | Bewerbungen gewinnen | Mitarbeitende erzählen von ihrem Alltag, Einblicke in Team und Arbeitsplatz, klarer Hinweis auf die Karriereseite |
| Produkt oder Leistungsfilm mit Imageanteil | Vertrauen in ein Angebot | Wie etwas entsteht, wer dahintersteht, welches Problem es löst |
Kläre mit dem Kunden, welche Form im Vordergrund steht. Ein Film, der gleichzeitig Kunden, Bewerber und Investoren ansprechen soll, bleibt oft für alle unscharf. Besser ist ein Hauptfilm mit klarer Zielgruppe und ergänzende Kurzfassungen für andere Zwecke. Die Grundlagen dafür erklärt der Beitrag Videokonzept erstellen.
Dramaturgie für das Imagefilm Konzept
Auch ein Porträt braucht einen Spannungsbogen. Ein einfaches Grundgerüst lehnt sich an die Dreiaktstruktur mit Einführung, Konfrontation und Auflösung an, die Syd Field 1979 für den Spielfilm beschrieben hat.
Einstieg
Die ersten Sekunden entscheiden, ob jemand weiterschaut. Beginne mit einem starken Bild, einer Frage oder einem Satz aus dem Interview, nicht mit dem Logo. Ein Detail aus der Werkstatt oder ein Blick in ein Gesicht wirkt stärker als eine Luftaufnahme vom Firmengebäude.
Hauptteil
Hier zeigst du, wie das Unternehmen arbeitet und wofür es steht. Die Aussagen der Menschen tragen die Geschichte, die Bilder belegen sie. Wer von Präzision spricht, sollte im nächsten Bild präzise arbeiten. Plane pro Aussage passende Schnittbilder in der Shotlist ein.
Schluss
Führe die Gedanken zusammen und gib dem Zuschauer einen nächsten Schritt: Website, Kontakt, Karriereseite. Erst jetzt ist der richtige Moment für Logo und Claim.
Ob der Film einen Sprecher, nur Interviews oder eine Mischung nutzt, gehört ebenfalls ins Konzept. Interviews wirken nahbarer, ein Sprechertext ist leichter zu steuern und zu kürzen.
Die richtigen Protagonisten finden
Ein Imagefilm lebt von Menschen, die glaubwürdig erzählen. Das sind nicht immer die Führungskräfte. Oft wirken Mitarbeitende aus Werkstatt, Labor oder Kundenservice überzeugender, weil sie ganz konkret von ihrer Arbeit sprechen. Bitte deinen Kunden, mehrere Personen vorzuschlagen, und führe mit ihnen kurze Vorgespräche, gern am Telefon. So merkst du schnell, wer offen erzählt und sich vor der Kamera wohlfühlt. Kläre dabei auch, ob alle mit der Veröffentlichung einverstanden sind. Hinweise dazu findest du im Beitrag Checkliste Dreharbeiten.
Interviewfragen vorbereiten
Die Interviews sind das Herz vieler Imagefilme. Formuliere Fragen knapp und lass dem Gegenüber möglichst viel Raum für Erklärungen und Erzählungen. Geschlossene Fragen, die sich mit Ja oder Nein beantworten lassen, sind ungeeignet. Außerdem lohnt es sich, die Interviewten zu bitten, einen Teil der Frage in ihrer Antwort aufzugreifen. So entstehen Sätze, die auch ohne die Frage verständlich sind. Wer als Fragesteller dicht neben der Kamera sitzt, sorgt dafür, dass der Blick des Interviewten nah an der Kamera bleibt und mehr Nähe zum Zuschauer entsteht.
Offene Fragen, die im Imagefilm oft gute Antworten liefern:
- Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag bei dir aus?
- Woran merkst du, dass ein Projekt gut gelaufen ist?
- Was unterscheidet die Arbeit hier von früheren Stellen?
- Erzähl von einem Moment, auf den du besonders stolz bist.
- Was würdest du jemandem sagen, der überlegt, hier anzufangen?
Führe vor dem Dreh ein kurzes Vorgespräch. Gute Vorbereitung ist wichtig: wissen, wer der Mensch ist, was er tut und welche Themen interessant sein könnten.
Länge und Fassungen je Kanal
Eine allgemeingültige ideale Länge gibt es nicht. Entscheidend sind Inhalt, Zielgruppe und die Situation, in der der Film gesehen wird. Was die Plattformen technisch vorgeben, lässt sich dagegen belegen:
| Kanal | Technischer Rahmen laut Plattform | Folgerung für das Konzept |
|---|---|---|
| YouTube | Standard auf Computern ist 16:9, Shorts sind quadratisch oder hochkant und bis zu drei Minuten lang | Hauptfilm im Querformat, dazu kurze Ausschnitte als Shorts |
| Instagram Reels | Seitenverhältnis zwischen 1,91:1 und 9:16, mindestens 30 Bilder pro Sekunde und 720 Pixel Auflösung | Eigene Hochformatfassung mit schnellem Einstieg |
| Seitenverhältnis von 1:2,4 bis 2,4:1, Videos von 3 Sekunden bis 15 Minuten beim Hochladen am Computer | Kompakte Fassung, gut ohne Ton verständlich | |
| Website und Messe | Keine Plattformvorgaben | Längere Fassung möglich, für einen Messestand eventuell als Schleife ohne Ton |
Plane diese Fassungen von Anfang an ein. Ein Hochformat braucht andere Bildausschnitte und manchmal eigene Einstellungen. Wenn du das erst im Schnitt merkst, fehlt dir das Material. Einzelheiten zu Seitenverhältnissen und Sicherheitszonen findest du im Beitrag Social Media Video Formate.
Vom Konzept zur Umsetzung
Ist das Imagefilm Konzept freigegeben, folgen Treatment, Storyboard und Drehplanung. Die Beiträge Treatment schreiben, Storyboard erstellen und Checkliste Dreharbeiten begleiten dich durch diese Schritte. Welche Objektive sich für Interviews und Schnittbilder eignen, zeigt unser Überblick zu Objektiven zum Filmen.

