Focus Breathing: Warum das Bild beim Fokussieren zoomt

Wie der Effekt entsteht, wann er stört und wie du ihn am Set in den Griff bekommst.

Kameramann dreht mit einer Schulterkamera und Kontrollmonitor eine Frau am Fenster

Du ziehst die Schärfe von einer Person im Vordergrund auf eine zweite im Hintergrund, und das ganze Bild scheint dabei ein Stück zu zoomen. Dieser Effekt heißt Focus Breathing. Er gehört zu den Eigenschaften, die bei Objektiven zum Filmen eine größere Rolle spielen als beim Fotografieren, weil man ihn nur im bewegten Bild sieht.

Was beim Focus Breathing passiert

Focus Breathing ist die Veränderung des Bildwinkels, wenn sich die Fokusdistanz ändert. Beim Fokussieren verschieben sich Linsen oder Linsengruppen im Objektiv. Dadurch ändert sich die effektive Brennweite ein wenig und mit ihr der Ausschnitt. Je nach Konstruktion wird der Bildwinkel beim Scharfstellen auf nahe Motive enger oder weiter.

Im einfachsten Modell, einer einzelnen Linse, die zum Fokussieren als Ganzes verschoben wird, lässt sich das nachvollziehen. Für ein nahes Motiv muss die Linse weiter vom Sensor entfernt sein als für ein Motiv im Unendlichen. Mit wachsendem Abstand zwischen Linse und Sensor wird der Bildwinkel kleiner. Im Schnittmodell einer Optik in unserem Artikel über Objektive zum Filmen kannst du den Unterschied direkt ablesen: Der horizontale Bildwinkel wird für die eingestellte Fokusdistanz und für unendlich angezeigt.

Warum der Effekt im Video stört

Ein Foto zeigt nur einen Fokuspunkt, deshalb fällt die Änderung des Bildwinkels nicht auf. Im Film dagegen wird jede Schärfeverlagerung sichtbar. Besonders deutlich ist der Effekt bei langen Schärfewegen, etwa beim Wechsel von einem Detail im Vordergrund zu einer Totale im Hintergrund, und bei ruhigen Einstellungen vom Stativ, in denen sonst nichts im Bild die Veränderung überdeckt.

Objektive mit wenig Focus Breathing

Objektivkonstruktionen können das Atmen gezielt klein halten, indem die Brennweite beim Naheinstellen passend ausgeglichen wird. Bei Cine Objektiven gehört ein geringes Focus Breathing oft zu den Konstruktionszielen, weil diese Objektive für Schärfeverlagerungen am Set gebaut werden. Auch bei Foto Objektiven nennen Hersteller inzwischen Werte oder Funktionen, die sich an Filmer richten. Verlässliche Angaben findest du im Datenblatt des Herstellers, pauschale Aussagen über ganze Serien sind mit Vorsicht zu genießen.

Kompensation in der Kamera

Einige Kameras gleichen Focus Breathing elektronisch aus, indem sie das Bild beim Fokussieren passend beschneiden. Das funktioniert nur mit Objektiven, deren Daten die Kamera kennt. Sony nennt diese Kompensation zum Beispiel für das Sony FE 24-70 mm F2.8 GM II in Verbindung mit kompatiblen Alpha Kameras. Weil dabei ein Teil des Bildes abgeschnitten wird, verlierst du etwas Bildwinkel und je nach Kamera auch etwas Auflösung.

So testest du dein Objektiv

  1. Stell die Kamera auf ein Stativ und richte sie auf eine Szene mit klaren Kanten am Bildrand, etwa ein Regal oder einen Türrahmen.
  2. Stell manuell auf die Naheinstellgrenze scharf und starte die Aufnahme.
  3. Dreh den Fokusring gleichmäßig bis unendlich und wieder zurück.
  4. Beobachte in der Wiedergabe die Bildränder. Wandern die Kanten nach innen oder außen, atmet das Objektiv.
  5. Wiederhole den Test bei Zooms für mehrere Brennweiten, denn das Verhalten kann sich über den Zoombereich ändern.

Was du am Set tun kannst

Plane Schärfeverlagerungen so, dass sie kurz bleiben, oder verbinde sie mit einer Kamerabewegung, die den Effekt überdeckt. Wer mit Reserve dreht, etwa in höherer Auflösung als ausgeliefert wird, kann das Atmen in der Nachbearbeitung durch ein leichtes Nachskalieren ausgleichen. Für Produktionen mit vielen Schärfeverlagerungen lohnt sich ein Blick in die technischen Daten unserer Objektiv Datenbank, dort sind Videomerkmale je Objektiv mit Quelle aufgeführt.

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