LED Licht zum Filmen ist leicht, läuft oft mit Akku und lässt sich in Helligkeit und Farbe fein einstellen. Damit du bei der Auswahl nicht nur auf Wattzahlen schaust, erklärt dieser Artikel die wichtigsten Bauformen, die Kennzahlen zur Farbwiedergabe, den Unterschied zwischen Bicolor und RGB, passende Lichtformer, die Stromversorgung und das Thema Flimmern.
Bauformen von LED Licht zum Filmen
Im Filmbereich haben sich drei Grundtypen durchgesetzt. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie groß die leuchtende Fläche ist und wie gerichtet das Licht austritt.
Panel
Ein Panel verteilt viele einzelne LEDs auf eine flache Fläche. Es ist handlich, schnell aufgebaut und liefert von sich aus ein flächigeres Licht als ein einzelner Strahler. Ein typisches Beispiel ist das amaran P60x, ein Bicolor Panel mit 60 W Leistung, einem Abstrahlwinkel von 45 Grad und laut Hersteller bis zu 5180 Lux in einem Meter Abstand. Panels eignen sich gut als Aufhelllicht, für kleine Interviews und überall dort, wo wenig Platz ist.
COB Spot
COB steht für Chip on Board. Dabei sitzen sehr viele LED Chips dicht gepackt auf einem gemeinsamen Träger, sodass eine kleine, sehr helle Lichtquelle entsteht. Solche Leuchten haben meist einen Reflektor oder Anschluss für Lichtformer. Die Aputure LS 600d Pro etwa nutzt einen Bowens Anschluss, arbeitet mit 5600 K und kommt laut Hersteller mit dem Hyper Reflektor der LS 600 Serie auf über 8500 Lux in drei Metern. COB Spots sind die Arbeitspferde für Führungslicht, zum Durchleuchten großer Diffusoren und für Licht, das durch ein Fenster scheinen soll.
Tube
Tubes sind stabförmige Leuchten, die an klassische Leuchtstoffröhren erinnern. Viele Modelle haben einen eingebauten Akku und farbige LEDs. Die Nanlite PavoTube II 15C zum Beispiel ist eine zwei Fuß lange RGBWW Tube mit 30 W, integriertem Akku für laut Hersteller rund zwei Stunden bei voller Leistung und Ladung per USB C. Tubes nutzt du als Kantenlicht, als sichtbares Element im Bild oder für Effekte im Hintergrund.
Farbwiedergabe: CRI, TLCI und TM-30
Eine LED erzeugt kein kontinuierliches Spektrum wie die Sonne oder eine Glühlampe. Wie natürlich Hauttöne und Farben unter einer Leuchte aussehen, beschreiben deshalb verschiedene Kennzahlen. Hersteller nennen sie im Datenblatt, allerdings meist als Durchschnitt oder Mindestwert.
| Kennzahl | Herkunft | Was sie beschreibt |
|---|---|---|
| CRI (Ra) | CIE 13.3 von 1995 | Farbabweichung von acht mittel gesättigten Testfarben gegenüber einer Referenzlichtquelle, Höchstwert 100 |
| TLCI | EBU, 2012 verabschiedet | Simuliert eine Standardkamera samt Display und bewertet, wie stark Farben im Fernsehbild abweichen, Skala bis 100 |
| TM-30 (Rf, Rg) | IES | Rf bewertet die Farbtreue anhand von 99 Testfarben, Rg zeigt, ob Farben im Mittel gesättigter oder blasser wirken |
Der CRI vergleicht die Leuchte mit einer Referenz gleicher Farbtemperatur, unterhalb von 5000 K mit einem schwarzen Strahler, darüber mit einem Tageslichtspektrum. Weil nur acht Testfarben in den Ra Wert eingehen, sagt er über kräftiges Rot wenig aus. Dafür gibt es den Einzelwert R9, der für gesättigtes Rot steht und für Hauttöne wichtig ist. Der TLCI wurde von der Europäischen Rundfunkunion speziell für Kameras entwickelt, denn ein Kamerasensor sieht Farben anders als das menschliche Auge. Ein Wert von 100 bedeutet eine perfekte Übereinstimmung mit der Referenz.
TM-30 arbeitet mit 99 Testfarben aus dem Alltag und liefert zwei Zahlen. Rf beschreibt wie der CRI die Treue und reicht bis 100. Rg liegt bei 100, wenn die Sättigung im Mittel neutral ist, darüber wirken Farben kräftiger, darunter blasser. Der Leuchtenhersteller XAL nennt als Orientierung Rf über 90 und Rg zwischen 90 und 110 als sehr gut. Für die genannten Beispiele geben die Hersteller Werte von CRI 95 oder mehr und TLCI 96 oder mehr an, beim amaran P60x zusätzlich TM-30 Rf im Mittel 93.
Bicolor und RGB
Eine Tageslichtleuchte wie die LS 600d Pro hat eine feste Farbtemperatur von 5600 K. Bicolor Leuchten mischen warmweiße und kaltweiße LEDs und decken so einen Bereich ab, beim amaran P60x etwa 3200 bis 6500 K. Damit passt du das Licht an Tageslicht vom Fenster oder an warmes Raumlicht an, ohne Folien zu brauchen. Mehr zu Kelvin, Weißabgleich und Mischlicht erfährst du im Artikel zur Farbtemperatur.
RGB Leuchten, im Profibereich meist als RGBWW mit zusätzlichen weißen LEDs ausgeführt, können darüber hinaus beliebige Farben erzeugen. Die PavoTube II 15C bietet 2700 bis 7500 K und eine Korrektur zwischen Grün und Magenta, die der Hersteller mit plus minus 150 angibt. Die Grün Magenta Korrektur hilft, wenn du Licht an Leuchtstoffröhren oder Bürobeleuchtung angleichen musst. Farbige Akzente im Hintergrund oder ein bläuliches Nachtlicht setzt du ebenfalls mit RGB, ohne Farbfolien mitzunehmen.
Lichtformer: Softbox und Diffusion
Ob Licht hart oder weich wirkt, hängt von der Größe der Lichtquelle im Verhältnis zum Motiv ab. Der Blitzhersteller broncolor beschreibt das anschaulich: Eine Softbox mit 100 cm in vier Metern Abstand ergibt die gleiche Härte wie eine Softbox mit 50 cm in zwei Metern. Je näher und größer die Fläche, desto weicher die Schatten.
Ein kleiner COB Spot ohne Aufsatz erzeugt harte Schatten. Mit einer Softbox am Bowens Anschluss, einem Diffusionsrahmen oder dem Umweg über eine helle Wand wird die leuchtende Fläche größer. Sehr stark gestreutes Licht zeigt kaum noch Richtung, glättet Strukturen und reduziert die Farbsättigung. Das ist für Beauty und Interviews oft erwünscht, für plastische Bilder brauchst du dagegen etwas Kontrast. Wie du mehrere Leuchten zu einem ausgewogenen Aufbau kombinierst, zeigt der Artikel zur 3 Punkt Beleuchtung.
Stromversorgung am Set
Kleine Leuchten laufen mit eingebautem Akku oder mit Wechselakkus. Das amaran P60x arbeitet am Netzteil, mit zwei Akkus im NP F Format oder über ein optionales D Tap Kabel an V Mount und Gold Mount Akkus. Laut Hersteller reichen zwei NP F970 für über eine Stunde. Große COB Leuchten brauchen deutlich mehr Energie: Die LS 600d Pro nimmt bis zu 720 W auf und lässt sich am Netz mit 100 bis 240 V, über V Mount oder Gold Mount Akkus oder über einen 48 V Gleichstromeingang betreiben.
Rechne vor dem Dreh aus, wie lange deine Akkus bei der geplanten Leistung halten, und plane Reserven ein. Gehören Leuchten zu deiner Checkliste Dreharbeiten, notiere dort auch Ladegeräte, Kabel und Mehrfachsteckdosen.
Flimmern bei bestimmten Verschlusszeiten
Das europäische Stromnetz arbeitet mit einer Frequenz von 50 Hz. Lichtquellen am Netz, etwa ältere Leuchtstoffröhren, schwanken dadurch 100 mal pro Sekunde in ihrer Helligkeit. Sony weist darauf hin, dass LED Beleuchtung und Leuchtreklamen sogar mehrere hundert bis tausend mal pro Sekunde flackern können. Das Auge sieht davon nichts, die Kamera aber schon, weil jedes Bild nur für die Dauer der Verschlusszeit belichtet wird.
Viele LEDs werden per Pulsweitenmodulation gedimmt. Dabei wird die LED sehr schnell ein und ausgeschaltet, und das Verhältnis bestimmt die Helligkeit. Umfasst die Belichtung eine ganze Zahl solcher Zyklen, sammelt jedes Bild gleich viel Licht und das Flimmern verschwindet. Bei 100 Hz Flackern sind 1/50 und 1/100 Sekunde deshalb unkritisch. Kürzere Zeiten, wie du sie für Zeitlupen brauchst, zeigen dagegen schnell helle und dunkle Streifen oder pulsierende Helligkeit.
Manche Kameras bieten eine fein einstellbare Verschlusszeit. Sony nennt eine solche Funktion Hi Frequency flicker: Du passt die Verschlusszeit am Monitor an die Flackerfrequenz an und reduzierst so Streifen, laut Sony auch bei Videoaufnahmen. Welche Verschlusszeiten und Bildraten dein Modell bietet, findest du in unseren Kameradaten. In jedem Fall gilt: Drehe vor Ort einen kurzen Testclip mit den geplanten Einstellungen und prüfe ihn auf einem großen Monitor.
Worauf du bei der Auswahl achtest
Überlege zuerst, welche Rolle die Leuchte übernehmen soll. Für ein weiches Führungslicht brauchst du genug Leistung, um durch eine Softbox oder einen großen Diffusor zu arbeiten. Für Kante und Hintergrund reichen oft kleine Panels oder Tubes. Schau im Datenblatt auf CRI, TLCI und nach Möglichkeit TM-30, auf den Farbtemperaturbereich, die Anschlüsse für Lichtformer und die Stromversorgung. Leuchten, die du häufig mit Tageslicht kombinierst, sollten 5600 K sicher erreichen. Und denk daran, dass auch sehr gutes Licht ein Bild nur dann trägt, wenn Belichtung und Weißabgleich stimmen. Hilfreich ist dabei ein ND Filter zum Filmen, wenn du trotz hellem Licht mit offener Blende und passender Verschlusszeit drehen willst.

