Die Datensicherung am Set ist der Moment, in dem ein ganzer Drehtag entweder sicher ist oder auf dem Spiel steht. Solange das Material nur auf der Speicherkarte liegt, existiert es genau einmal. Ein Defekt, ein verlorener Kartenhalter oder ein versehentliches Formatieren genügt, und die Arbeit von Team, Darstellern und Kunde ist weg. Mit einem klaren Ablauf aus mehreren Kopien, Prüfsummen, sauberer Benennung und einem Protokoll lässt sich dieses Risiko stark verringern. Hier erfährst du, wie ein solcher Ablauf aussieht, auch wenn du allein oder im kleinen Team drehst.
Die 3 2 1 Regel als Grundlage
Eine anerkannte Faustregel für jede Backup Strategie ist die 3 2 1 Regel. Sie besagt: Drei aktuelle Versionen wichtiger Dateien sollten auf zwei verschiedenen Medien und an mindestens einem weiteren Ort gespeichert werden.
Übertragen auf den Dreh heißt das: Die Speicherkarte zählt als Original, solange du sie nicht formatierst. Dazu kommen zwei Kopien auf getrennten Datenträgern, etwa zwei externe SSDs oder Festplatten. Mindestens eine Kopie sollte das Set auf einem anderen Weg verlassen als die übrige Technik, zum Beispiel im Rucksack eines Teammitglieds oder später per Upload in die Cloud oder auf den Server im Büro. So schützt dich die Regel nicht nur vor einem defekten Laufwerk, sondern auch vor Diebstahl, Wasserschaden oder dem vergessenen Koffer am Drehort.
Datensicherung am Set mit Prüfsummen
Das einfache Kopieren per Drag and Drop im Dateimanager hat eine Schwäche: Es bestätigt dir nicht, dass jede Datei wirklich Bit für Bit identisch angekommen ist. Prüfsummen lösen dieses Problem. Eine Hash Funktion erzeugt aus einer Datei eine Zeichenfolge, die diese Datei anhand ihrer Bytes eindeutig kennzeichnet. Ändert sich auch nur ein Teil der Datei, ergibt sich ein anderer Wert. Stimmt die Prüfsumme der Kopie mit der des Originals überein, ist die Kopie korrekt. Dieser Vergleich ist in der Regel deutlich schneller als ein vollständiger Bit für Bit Vergleich, wobei MD5 langsamer rechnet als xxHash.
Spezialisierte Offload Software übernimmt diese Arbeit. Pomfort nennt für seinen Offload Manager zum Beispiel Prüfsummenverfahren wie XXH64, XXH3, XXH128, MD5, SHA1 und C4ID, das Kopieren auf beliebig viele Ziele gleichzeitig und eine zusätzliche Prüfung der Quelle, um unzuverlässige Kamerakarten zu erkennen. Auch das Clone Tool in DaVinci Resolve wird dafür genutzt, gerade in kleinen Teams. Welches Programm du nutzt, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass jede Kopie gegen eine Prüfsumme verifiziert wird.
Media Hash List als Nachweis
Die American Society of Cinematographers hat mit der ASC MHL ein offenes Format für Media Hash Lists geschaffen. Sie dient dazu, eine lückenlose Nachweiskette zu erstellen, die jede Kopie vom ersten Download am Set bis zur Archivierung erfasst. Die Hashwerte werden zusammen mit wichtigen Dateiinformationen in einer lesbaren XML Datei abgelegt. Unterstützt werden unter anderem xxHash, MD5, SHA1, SHA256 und C4. Für dich als Videograf bedeutet das: Du kannst dem Schnitt oder dem Kunden belegen, dass die übergebenen Dateien unverändert sind.
Ordner und Karten sinnvoll benennen
Eine einheitliche Benennung spart später Stunden im Schnitt und verhindert, dass zwei Karten mit gleichen Dateinamen sich überschreiben. Viele Kameras vergeben dafür eigene Kennungen. RED erklärt in der Dokumentation zur Clip Benennung, dass Kamerabuchstabe und Reelnummer beim Formatieren im Menü festgelegt werden und die Clipnummer mit jeder Aufnahme um eins steigt, ergänzt um Monat und Tag. Ein Name wie A001 steht dann für Kamera A, Karte 001.
Für die Ordnerstruktur auf den Sicherungslaufwerken empfiehlt sich eine Gliederung nach Drehtagen und darin nach Quellen, also etwa Tagesordner mit Unterordnern für Kamera A, Ton und Fotos. Ebenso wichtig ist der Hinweis, die Ordner, die direkt von der Kamerakarte oder dem Tonrekorder kommen, nicht umzubenennen oder umzusortieren. Offload Software wie die von Pomfort erlaubt es, Projektname, Datum und Drehtag automatisch in den Zielpfad einzusetzen und Karten beim Offload eigene Namen zu geben. Auch die Laufwerke selbst sollten eindeutig beschriftet sein, etwa als Hauptkopie und Backup.
Das Protokoll: jede Karte dokumentieren
Ein Sicherungsprotokoll ist Checkliste und Nachweis zugleich. Zu den Inhalten eines solchen Logs gehören Datum, Kartenkennung, Dateigröße, Ziel der Kopie, Verifizierung und der Name der Person, die gesichert hat. Offload Programme erzeugen solche Berichte oft automatisch, Pomfort etwa als PDF, CSV oder HTML. Ein einfaches Protokoll kann so aussehen:
| Datum | Karte | Größe | Kopie 1 | Kopie 2 | Verifiziert | Name |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Drehtag 1 | A001 | Gesamtgröße der Karte | SSD Haupt | SSD Backup | ja, Prüfsumme | Kürzel |
Hilfreich ist es, das Protokoll direkt neben dem Material auf den Laufwerken abzulegen und zusätzlich ausgedruckt oder digital beim Team zu führen. So weiß auch am nächsten Morgen jeder, welche Karte wirklich gesichert ist. Eine Checkliste Dreharbeiten sollte diesen Punkt ebenfalls enthalten.
Karten nie vor der Sicherung formatieren
Die wichtigste Regel ist zugleich die einfachste: Lösche eine Karte nie, bevor zwei verifizierte Kopien existieren. Beim Formatieren der FX3 werden alle Daten dauerhaft und unwiederbringlich gelöscht. Richte deshalb ein festes System ein, an dem jeder im Team den Status einer Karte erkennt, etwa getrennte Fächer oder Markierungen für ungesicherte und gesicherte Karten.
Beim Formatieren selbst gilt: Lösche Clips nicht am Computer, sondern formatiere die Karte in der Kamera. RED empfiehlt das ausdrücklich in seinen Hinweisen zum Umgang mit Medien und rät außerdem, bei einem Kartenleser mit Schreibschutzschalter diesen beim Auslesen zu aktivieren, damit angeschlossene Geräte keine ungewollten Daten auf die Karte schreiben. Mehr zu Klassen, Pflege und gefälschten Karten erfährst du im Beitrag Speicherkarte für Video.
Ein Ablauf für kleine Teams
Ein möglicher Ablauf am Drehtag sieht so aus: Die volle Karte wandert aus der Kamera in das Fach für ungesicherte Karten. Du liest sie mit Schreibschutz aus und kopierst sie mit Prüfsummenverifizierung gleichzeitig auf zwei Laufwerke in die vorbereitete Ordnerstruktur. Danach trägst du die Sicherung ins Protokoll ein, prüfst stichprobenartig einige Clips in der Wiedergabe und legst die Karte in das Fach für gesicherte Karten. Erst dann darf sie zurück in die Kamera und wird dort formatiert. Am Ende des Tages verlässt ein Laufwerk das Set getrennt vom anderen. Plane für diese Schritte Zeit ein, gerade bei hohen Datenraten und großen Karten, denn eine verifizierte Kopie dauert länger als ein einfacher Kopiervorgang.

