Sensorgrößen im Vergleich: Was sie für Video bedeuten

Vollformat, Super 35 und Micro Four Thirds im maßstäblichen Vergleich, mit Rechner für die Schärfentiefe.

Kompakte Cinema Kamera auf dem Stativ, auf dem Display ist die laufende Aufnahme zu sehen

Die Sensorgröße prägt, wie ein Bild wirkt: welchen Ausschnitt ein Objektiv liefert, wie stark sich das Motiv vom Hintergrund löst und wie viel Licht der Sensor sammeln kann. Viele Vergleiche von Sensorgrößen sind aus Sicht der Fotografie geschrieben. Hier geht es darum, was die Formate beim Filmen bedeuten, von Vollformat über Super 35 bis Micro Four Thirds.

Die gängigen Sensorformate in Millimetern

FormatMaßeCrop Faktor
Vollformat36 × 24 mm1,0
Super 35 (Filmformat, 4 Perf)24,89 × 18,66 mmetwa 1,4
APS C (Sony, Nikon)23,7 × 15,6 mm1,5
APS C (Canon)22,2 × 14,8 mm1,6
Micro Four Thirds17,3 × 13,0 mm2,0
1 Zoll Typ13,2 × 8,8 mm2,7
Übliche Maße der Formate. Einzelne Kameramodelle weichen davon leicht ab.

Im Vergleich unten sind die Formate maßstäblich übereinander gelegt. Stell eine Brennweite ein und lies ab, welchem Bildwinkel an Vollformat sie an jedem Sensor entspricht.

Sensorformate im maßstäblichen Größenvergleich
FormatMaßeCrop FaktorBildwinkel entsprichtHorizontaler Bildwinkel
Crop Faktor als Verhältnis der Diagonale von Vollformat (43,27 mm) zur Diagonale des Sensors. Die entsprechende Brennweite bezieht sich auf den diagonalen Bildwinkel an Vollformat. Klick auf ein Format blendet es im Vergleich ein oder aus.

Vollformat, Super 35 und APS C

Vollformat entspricht dem Kleinbildformat von 36 × 24 mm und ist bei spiegellosen Systemkameras weit verbreitet. Super 35 stammt aus dem analogen Kino. Das Filmformat misst 24,89 × 18,66 mm. Digitale Kameras, die als Super 35 bezeichnet werden, nutzen Sensoren in dieser Größenordnung, die genauen Maße unterscheiden sich aber je nach Hersteller und Aufnahmemodus. Die ARRI ALEXA 35 zeichnet im klassischen Super 35 Modus in 4K 16:9 zum Beispiel eine Fläche von 24,88 × 14,00 mm auf, im Open Gate Modus 27,99 × 19,22 mm. Der Sensor der Sony FX30 misst laut Sony 23,3 × 15,5 mm und liegt damit im Bereich von APS C.

Für die Praxis heißt das: Super 35 und APS C liegen so nah beieinander, dass viele Objektive für beide Welten funktionieren. Wer von Vollformat kommt, muss für denselben Ausschnitt eine kürzere Brennweite wählen.

Micro Four Thirds und kleinere Sensoren

Micro Four Thirds misst 17,3 × 13,0 mm und hat einen Crop Faktor von 2. Kameras und Objektive fallen dadurch kompakter aus, und bei gleichem Bildausschnitt und gleicher Blende ist der Schärfebereich größer. Das kann ein Vorteil sein, etwa wenn sich eine Person viel bewegt oder mehrere Personen in unterschiedlicher Entfernung scharf sein sollen. Noch kleiner ist der 1 Zoll Typ mit 13,2 × 8,8 mm, den man vor allem in kompakten Kameras und Drohnen findet.

Crop Faktor und Bildwinkel

Der Crop Faktor ist das Verhältnis der Diagonale von Vollformat, 43,3 mm, zur Diagonale des jeweiligen Sensors. Multiplizierst du die Brennweite mit dem Crop Faktor, erhältst du die Brennweite, die an Vollformat denselben Bildwinkel ergibt. Ein 50 mm Objektiv an einem Sensor mit Crop Faktor 1,6 zeigt also denselben Ausschnitt wie 80 mm an Vollformat. Die Brennweite des Objektivs selbst ändert sich dabei nicht.

Schärfentiefe und Äquivalenz

Die Schärfentiefe hängt von vier Größen ab: Blende, Brennweite, Motivabstand und Sensorgröße. Wählst du auf einem kleineren Sensor die Brennweite so, dass der Ausschnitt dem eines größeren Sensors entspricht, ist die Schärfentiefe bei gleicher Blendenzahl größer. Deshalb wirken Aufnahmen mit Vollformat bei gleichem Ausschnitt und gleicher Blende stärker freigestellt.

Mit dem Rechner kannst du Nahpunkt, Fernpunkt und hyperfokale Distanz für deine Einstellung ermitteln. Er rechnet mit einem Zerstreuungskreis von 0,03 mm für Vollformat. Dieser Wert ist eine gängige Konvention, andere Quellen nutzen leicht abweichende Werte.

Berechnet mit der hyperfokalen Distanz H = f² / (N · c) + f und einem Zerstreuungskreis von 0,03 mm für Vollformat, bei anderen Formaten geteilt durch den Crop Faktor. Die Werte sind Richtwerte für die übliche Betrachtung und keine harte Grenze der Schärfe.

Sensorauslesung im Videomodus

Beim Filmen nutzt eine Kamera nicht immer die ganze Sensorfläche. Je nach Auflösung und Bildrate liest sie den vollen Sensor aus und rechnet das Bild herunter, fasst Pixel zusammen oder verwendet nur einen Ausschnitt. Ein solcher Ausschnitt wirkt wie ein zusätzlicher Crop und verändert den Bildwinkel deiner Objektive. Welche Modi eine Kamera mit welchem Ausschnitt aufnimmt, steht im Datenblatt des Herstellers. In unserer Kamera Datenbank sammeln wir diese Angaben für Video aufbereitet.

Open Gate und Seitenverhältnisse

Open Gate bedeutet, dass die Kamera die volle Sensorfläche aufzeichnet, meist im Seitenverhältnis 3 : 2. Aus dieser Fläche lassen sich später unterschiedliche Formate schneiden, etwa 16 : 9 für YouTube und 9 : 16 für Reels, ohne dass du zweimal drehen musst. Der Preis dafür sind größere Datenmengen.

Welche Sensorgröße zu welchem Einsatz passt

Eine allgemein beste Sensorgröße gibt es nicht. Vollformat spielt seine Stärken aus, wenn du Motive stark freistellen willst oder mit wenig Licht arbeitest. Super 35 und APS C sind der klassische Filmstandard und bieten eine große Auswahl an Objektiven. Micro Four Thirds punktet mit kompakter Ausrüstung und großem Schärfebereich. Wichtiger als das Format selbst ist, dass Kamera, Objektive und Arbeitsweise zusammenpassen. Wie du passende Objektive auswählst, erklärt unser Überblick zu Objektiven zum Filmen. Worauf es bei einer Kamera zum Filmen außerdem ankommt, fassen wir in einem eigenen Leitfaden zusammen.

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