Gimbal ausbalancieren: Schritt für Schritt erklärt

Erst die Mechanik, dann die Motoren: so sitzt die Kamera auf allen Achsen im Gleichgewicht.

Kameramann dreht mit einer Schulterkamera und Kontrollmonitor eine Frau am Fenster

Wer seinen Gimbal ausbalancieren kann, bekommt ruhigere Bilder, längere Akkulaufzeit und weniger Ärger am Set. Die Motoren eines Gimbals sollen Bewegungen ausgleichen, nicht das Gewicht einer schief sitzenden Kamera tragen. Deshalb muss die Kamera auf allen Achsen mechanisch im Gleichgewicht sein, bevor du den Gimbal einschaltest. Diese Anleitung folgt der Schrittfolge aus dem Handbuch der DJI RS 3 und erklärt, worauf es bei jedem Schritt ankommt.

Warum die Balance so wichtig ist

DJI schreibt im Handbuch der RS 3, dass eine saubere Balance besonders bei schnellen Bewegungen und Beschleunigungen entscheidend ist und außerdem die Akkulaufzeit verlängert. Im Handbuch der RS 4 Mini wird DJI noch deutlicher: Ein unausbalancierter Gimbal kann die Stabilität der Aufnahmen beeinträchtigen und die Akkulaufzeit verkürzen. Bei starkem Ungleichgewicht kann das Gerät überhitzen und in den Ruhezustand wechseln.

Vorbereitung vor dem Ausbalancieren

Bevor du die erste Schraube löst, richtest du die Kamera vollständig ein. Laut DJI gehört dazu:

  • Alle Zubehörteile und Kabel sind montiert, so wie du später auch drehst.
  • Der Objektivdeckel ist abgenommen.
  • Bei einem Objektiv mit optischem Zoom ist die Kamera eingeschaltet, bei einem varifokalen Objektiv ist die gewünschte Brennweite gewählt.
  • Der Gimbal ist ausgeschaltet oder im Ruhemodus.

Achte außerdem auf das Gewicht. DJI gibt für die RS 3 eine getestete Traglast von 3 kg an und weist darauf hin, dass Kamera, Objektiv und Zubehör zusammen darunter bleiben müssen. Ein Beispiel aus unserer Datenbank: Die Sony FX3 wiegt laut Sony mit Akku und Speicherkarte 715 g. Dazu kommen Objektiv, Filter, Mikrofon und eventuell ein Fokusmotor.

Gimbal ausbalancieren in vier Schritten

DJI gibt für die RS 3 eine feste Reihenfolge vor: zuerst die Tilt Achse in der Senkrechten, dann die Tiefe der Tilt Achse, danach die Roll Achse und zum Schluss die Pan Achse. Laut Handbuch ist die Schrittfolge mit und ohne montiertes Zubehör dieselbe.

Schritt 1: Tilt Achse vorn und hinten

Entriegle die Tilt Achse und löse den Knopf der Montageplatte. Dreh die Tilt Achse so, dass das Objektiv nach oben zeigt. Jetzt prüfst du, ob die Kamera oben oder unten schwerer ist. Ist sie oben schwerer, schiebst du sie laut DJI nach hinten. Ist sie unten schwerer, schiebst du sie nach vorn. Zieh den Knopf wieder fest, während du die Kamera nach oben gerichtet hältst. Die Achse ist ausbalanciert, wenn die Kamera in dieser Position ruhig stehen bleibt.

Schritt 2: Tiefe der Tilt Achse

Dreh die Tilt Achse so, dass das Objektiv nach vorn zeigt, und öffne den Hebel. Prüfe, ob die Kamera vorn oder hinten schwerer ist. Ist sie vorn schwerer, verschiebst du sie mit dem Drehknopf nach hinten, ist sie hinten schwerer, nach vorn. Danach schließt du den Hebel. Laut DJI ist die Tilt Achse ausbalanciert, wenn die Kamera auch dann ruhig bleibt, wenn du sie um 45 Grad nach oben oder unten neigst. Zum Abschluss verriegelst du die Tilt Achse.

Schritt 3: Roll Achse

Entriegle die Roll Achse und öffne den Hebel am Rollarm. Beobachte, in welche Richtung der Rollmotor schwingt. Dreht sich die Kamera nach links, verschiebst du sie nach rechts, dreht sie sich nach rechts, nach links. Schließ den Hebel wieder. Die Achse ist ausbalanciert, wenn die Kamera ruhig bleibt. Danach verriegelst du die Roll Achse. DJI weist darauf hin, dass du für längere Kamerasysteme ein zusätzliches Gegengewicht für die Roll Achse brauchst.

Schritt 4: Pan Achse

Entriegle die Pan Achse und öffne den Hebel am Panarm. Halte den Griff fest, neige den Gimbal nach vorn und dreh den Panarm, bis er parallel zu dir steht. Dreht sich das Objektiv nach links, schiebst du die Pan Achse nach rechts, dreht es sich nach rechts, nach links. Schließ den Hebel. Laut DJI ist die Pan Achse ausbalanciert, wenn die Kamera ruhig bleibt, während du den Griff neigst und die Pan Achse drehst.

Autotuning und Kontrolle

Erst nach der mechanischen Balance schaltest du den Gimbal ein. DJI empfiehlt, danach das Autotuning zu starten, bei der RS 3 durch gleichzeitiges Halten der M Taste und des Auslösers oder über das Symbol auf dem Touchscreen. Der Gimbal ermittelt dabei die passende Steifigkeit der Motoren für das aktuelle Gewicht. Laut DJI dauert der Vorgang etwa 15 bis 30 Sekunden. DJI rät in den Handbüchern der RS 3 und der RS 4 Mini, den Gimbal dafür auf eine ruhige, ebene Fläche zu stellen und ihn währenddessen nicht zu bewegen. Leichtes Zittern und Geräusche sind dabei normal.

Zur Kontrolle zeigt die RS 3 einen Balancestatus an. Grün bedeutet ausbalanciert, Gelb leicht unausgeglichen und Rot stark unausgeglichen. Bei Rot balancierst du die betroffene Achse neu. Für die Pan Achse neigst du den Gimbal dazu laut DJI um 15 Grad nach links oder rechts. In den Motorparametern der Ronin App sollte der Leistungswert der Motoren bei guter Balance im Bereich von plus minus 5 liegen.

SchrittKamerapositionBalanciert, wenn
Tilt senkrechtObjektiv zeigt nach obenKamera bleibt oben stehen
Tilt TiefeObjektiv zeigt nach vornKamera bleibt bei 45 Grad Neigung ruhig
RollRollachse entriegeltKamera schwingt nicht zur Seite
PanGimbal nach vorn geneigtKamera bleibt beim Drehen ruhig

Häufige Fehler beim Ausbalancieren

Viele Probleme entstehen, weil ein Punkt aus der Vorbereitung übersprungen wird. Wer erst ausbalanciert und danach Mikrofon oder Monitorkabel anschließt, verschiebt den Schwerpunkt wieder. Dasselbe gilt, wenn bei einem Zoomobjektiv die Kamera beim Balancieren nicht eingeschaltet war oder später eine andere Brennweite gewählt wird, und für einen vergessenen Objektivdeckel.

Ein weiterer Fehler ist, bei eingeschaltetem Gimbal zu balancieren. Die Motoren halten die Kamera dann in Position, und du siehst nicht, wohin sie eigentlich kippen würde. Auch das Autotuning wird oft vergessen. DJI empfiehlt es nicht nur nach dem Ausbalancieren, sondern auch nach einer Änderung der Brennweite und wenn der Gimbal nach einem Objektivwechsel zu zittern beginnt.

Schließlich lohnt ein Blick auf die Motoreinstellungen. DJI beschreibt im Handbuch der RS 3, dass eine zu hohe Steifigkeit den Gimbal zittern lassen kann, während eine zu niedrige die Leistung beeinträchtigt. Die Motorstärke im erweiterten Menü solltest du laut DJI nur ändern, wenn es nötig ist. Kein Einstellwert ersetzt aber eine saubere mechanische Balance.

Andere Hersteller und Modelle können abweichende Bedienelemente und Reihenfolgen haben. Halte dich deshalb immer an die Anleitung deines Geräts. Wie ein Gimbal grundsätzlich arbeitet und worauf du beim Kauf achtest, erklärt unser Beitrag zum Kamera Gimbal. Ob für dein Projekt eher ein Gimbal oder eine Steadicam passt, vergleicht ein eigener Artikel. Passende leichte Objektive findest du in der Objektiv Datenbank.

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