Funkstrecke: Technik, Frequenzen und Reichweite

Wie drahtloser Ton funktioniert, welche Frequenzen in Deutschland erlaubt sind und wie du Aussetzer vermeidest.

Interviewdreh im Wohnzimmer mit zwei Kameras auf Stativen, Tonangel und LED Leuchten

Eine Funkstrecke ersetzt das Mikrofonkabel zwischen Person und Kamera. Sie gibt dir und den Menschen vor der Kamera Bewegungsfreiheit und ist bei Interviews, Reportagen und Hochzeiten kaum wegzudenken. Damit der Ton zuverlässig ankommt, solltest du wissen, wie die Technik funktioniert, worin sich analoge und digitale Systeme unterscheiden, welche Frequenzen in Deutschland erlaubt sind und wie du Aussetzer vermeidest.

So funktioniert eine Funkstrecke

Ein drahtloses System besteht laut Shure aus drei Teilen: einer Signalquelle, einem Sender und einem Empfänger. Die Quelle ist meist ein Ansteckmikrofon, das am Taschensender hängt, oder ein Mikrofon mit eingebautem Sender. Der Sender wandelt das Tonsignal in ein Funksignal um und strahlt es über eine Antenne ab. Der Empfänger an der Kamera oder am Recorder wandelt es zurück in ein Tonsignal. Bei kompakten Systemen für Videografen steckt das Mikrofon oft direkt im Sender, der an die Kleidung geklemmt wird.

Wichtig für die Zuverlässigkeit ist der Empfang. Funkwellen erreichen die Antenne oft auf mehreren Wegen, direkt und über Reflexionen an Wänden oder Decken. Treffen diese Wellen zeitversetzt ein, können sie sich gegenseitig stören, und es kommt zu kurzen Aussetzern. Diversity Empfänger arbeiten deshalb mit zwei Antennen im Abstand und wählen oder mischen laufend das bessere Signal. Shure unterscheidet dabei einfache Umschaltung zwischen Antennen, True Diversity mit zwei getrennten Empfangsteilen und ein Verfahren, das stufenlos zwischen beiden Signalen überblendet.

Analoge und digitale Funkstrecke

Analoge Systeme komprimieren das Tonsignal vor dem Senden und dehnen es im Empfänger wieder aus. Dieses Verfahren heißt Kompander. Hochwertige Geräte beherrschen das gut, bei günstigen Systemen hört man die Bearbeitung eher. Analoge Übertragung hat praktisch keine Verzögerung.

Digitale Systeme wandeln den Ton in Daten um. Das kostet Rechenzeit und erzeugt eine kleine Latenz, die je nach System sehr unterschiedlich ausfällt. Sennheiser gibt für sein digitales System Evolution Wireless Digital EW DP eine Latenz von 1,9 Millisekunden an. Nutzt du mehrere Tonquellen parallel, behalte mögliche Verzögerungen im Schnitt im Blick. Digitale Übertragung bietet dafür Vorteile: Shure nennt eine höhere Frequenzeffizienz im UHF Bereich, sodass bis zu doppelt so viele Strecken im gleichen Spektrum Platz finden, und die Möglichkeit der Verschlüsselung. Analoge Systeme können nicht verschlüsselt werden.

Frequenzbereiche für die Funkstrecke in Deutschland

Welche Frequenzen Funkmikrofone nutzen dürfen, regelt die Bundesnetzagentur über sogenannte Allgemeinzuteilungen. Maßgeblich ist aktuell die Verfügung 37/2026, veröffentlicht im Amtsblatt vom 15. April 2026. Sie fasst mehrere frühere Allgemeinzuteilungen für Funkmikrofone zusammen und hebt diese auf. Hinzu kommt die Allgemeinzuteilung für Geräte geringer Reichweite, Verfügung 91/2025, die weitere Bereiche für drahtlose Audiogeräte enthält.

BereichMaximale LeistungHinweise
32,475 bis 38,125 MHz in drei Teilbereichen10 mW ERPNutzung durch die Allgemeinheit
174 bis 230 MHz50 mW ERPAllgemeinheit, regional Beeinträchtigungen durch DAB+ möglich
470 bis 608 MHz und 614 bis 698 MHz50 mW ERPNur für professionelle Produktion, befristet bis 31.12.2030
736 bis 753 MHz50 mW ERPNutzung durch die Allgemeinheit
1350 bis 1400 MHz50 mW EIRPAllgemeinheit, nur innerhalb geschlossener Gebäude
821,5 bis 832 MHzbis 100 mW EIRPAus der Zuteilung für Geräte geringer Reichweite, Leistung je nach Teilbereich und Geräteart
863 bis 865 MHz10 mW ERPAus der Zuteilung für Geräte geringer Reichweite, nur für persönliche drahtlose Audiogeräte
1785 bis 1805 MHz50 mW EIRP für am Körper getragene Geräte nach EU Regeln, national bis 82 mW EIRPAus der Zuteilung für Geräte geringer Reichweite

Der UHF Bereich von 470 bis 698 MHz ist der gewerblichen und fachmännischen Produktion vorbehalten, etwa Rundfunkproduktionen, Theater, Konzerte professioneller Gruppen und Dienstleistungen der Veranstaltungstechnik. Die Betriebsfrequenzen müssen dort ein Vielfaches von 25 kHz betragen. Die kürzere Befristung liegt daran, dass die Nutzung nach 2030 international noch erörtert wird. Die übrigen Bänder der Verfügung 37/2026 sind bis zum 31. März 2036 befristet.

Für alle Bereiche gilt: Es gibt keinen Schutz vor Störungen durch andere Nutzer, und bei mehreren Nutzern vor Ort stimmen sich diese untereinander ab. Verwendet werden dürfen nur Geräte, die dem Funkanlagengesetz entsprechen. Prüfe vor dem Kauf, ob der Frequenzbereich deines Systems zu diesen Regeln passt, und achte bei Geräten aus dem Ausland auf die Länderversion.

Systeme im 2,4 GHz Band

Viele kompakte Funkstrecken für Videografen senden im Bereich 2400 bis 2483,5 MHz, darunter die RØDE Wireless PRO und das DJI Mic 2. Dieses Band ist in der Allgemeinzuteilung für Geräte geringer Reichweite enthalten und wird auch von WLAN und Bluetooth genutzt. Laut RF Venue ist es in den meisten Ländern ohne Lizenz nutzbar, was solche Systeme international einfach macht.

Die Kehrseite: Das Band ist mit rund 83 MHz schmal und oft voll. Shure schreibt, dass digitale 2,4 GHz Systeme typischerweise nur vier bis fünf kompatible Strecken gleichzeitig erlauben, deutlich weniger als analoge UHF Systeme. Laut RF Venue erreicht ein UHF Mikrofon bei gleicher Sendeleistung und gleichen Bedingungen außerdem eine größere Reichweite als ein 2,4 GHz Mikrofon. In Messehallen, Stadien oder Büros mit dichtem WLAN kann das zu Aussetzern führen.

Reichweite und Störungen

Herstellerangaben zur Reichweite gelten für freie Sicht ohne Störquellen. RØDE nennt für die Wireless PRO bis zu 260 Meter. DJI gibt für das Mic 2 nach FCC Bedingungen 250 Meter an, nach CE Bedingungen, wie sie in Europa gelten, dagegen 160 Meter. In der Praxis kann die Reichweite deutlich kürzer ausfallen.

DJI empfiehlt, freie Sicht zwischen Sender und Empfänger zu halten und Sender nicht hinter Wänden, in Taschen oder unter Tischen zu verstecken. Hilfreich sind außerdem ein Frequenzscan vor dem Dreh, volle Akkus, ein Tontest und bei Störungen der Wechsel auf einen anderen Kanal. Trage den Sender möglichst so, dass der Körper nicht zwischen Sender und Empfänger liegt, und platziere den Empfänger mit möglichst freier Sicht zum Sender. Nimm die Funkstrecke in deine Checkliste Dreharbeiten auf, inklusive Ersatzakkus und Adapterkabel.

Backup Aufnahme im Sender

Mehrere aktuelle Systeme zeichnen den Ton zusätzlich direkt im Sender auf. Fällt die Funkverbindung kurz aus, liegt der Ton trotzdem vollständig vor. Die RØDE Wireless PRO speichert laut Hersteller in 32 Bit Float und schafft mit 32 GB internem Speicher über 40 Stunden pro Sender. Das DJI Mic 2 bietet laut DJI ebenfalls eine interne Aufnahme in 32 Bit Float. Den Aufstecksender EW DP SKP hat Sennheiser mit einem Steckplatz für microSD Karten ausgestattet, der eine Aufnahme in 24 Bit und 48 kHz erlaubt.

Die interne Aufnahme musst du im Schnitt mit dem Bild synchronisieren. Plane dafür Zeit ein und sichere die Dateien nach jedem Drehtag, genau wie deine Videodaten. Welche Vorteile 32 Bit Float beim Aussteuern bietet und wo seine Grenzen liegen, erklärt der Artikel Mikrofon für Video.

Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick über die Frequenzregeln und ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist immer der aktuelle Text der Verfügungen auf der Seite der Bundesnetzagentur.

Mehr zum Thema.