Speicherkarte für Video: Klassen und Formate

Was V90, VPG200 und UHS-II wirklich bedeuten und wie du aus der Datenrate deines Codecs die passende Karte ableitest.

Filmklappe wird vor einer Videokamera am Set geschlagen

Die richtige Speicherkarte für Video entscheidet darüber, ob deine Kamera eine Aufnahme sauber schreibt oder mitten im Take abbricht. Viele Kameras verweigern bestimmte Aufnahmeformate sogar ganz, wenn die eingelegte Karte zu langsam ist. Die Aufdrucke auf den Karten wirken auf den ersten Blick wie ein Buchstabensalat aus V, U, C und Zahlen. Dahinter stecken aber klare Normen der SD Association und der CompactFlash Association. Dieser Beitrag erklärt dir, was die Symbole bedeuten, wie du aus der Datenrate deines Codecs die passende Karte ableitest und wie du Fälschungen und Datenverlust vermeidest.

Worauf es bei einer Speicherkarte für Video ankommt

Beim Filmen zählt vor allem eine Größe: die Geschwindigkeit, mit der die Karte dauerhaft schreiben kann. Ein Video Codec erzeugt einen gleichmäßigen Datenstrom, der ohne Unterbrechung auf die Karte muss. Kurzzeitige Spitzenwerte helfen dabei wenig. Genau deshalb gibt es Geschwindigkeitsklassen, die eine Mindestschreibrate garantieren. Höchstwerte in der Werbung sind dagegen keine Garantie für die Dauerleistung. Die SD Association betont selbst, dass die durchschnittliche Schreibgeschwindigkeit je nach Gerät und Vorgang schwankt.

SD Geschwindigkeitsklassen: V30, V60, V90

Die SD Association hat im Laufe der Jahre mehrere Klassensysteme eingeführt. Alle geben eine minimale Schreibgeschwindigkeit in Megabyte pro Sekunde an. Für Video ist heute vor allem die Video Speed Class mit dem Buchstaben V relevant.

KlassensystemSymbolMinimale Schreibrate laut SD Association
Speed ClassC2, C4, C6, C102, 4, 6, 10 MB/s
UHS Speed ClassU1, U310, 30 MB/s
Video Speed ClassV6, V10, V306, 10, 30 MB/s
Video Speed ClassV60, V9060, 90 MB/s
SD Express Speed ClassE150 bis E600150 bis 600 MB/s

Eine Karte mit V30 schreibt also garantiert mindestens 30 MB/s, eine V90 Karte mindestens 90 MB/s. Viele Karten tragen mehrere Symbole gleichzeitig, etwa U3 und V30, die beide für 30 MB/s stehen. Solche Karten werden für die FX3 als SDXC (U3/V30) geführt, etwa für Aufnahmen mit 200 Mbit/s.

UHS-I und UHS-II: die Schnittstelle

Neben der Klasse gibt es die Busschnittstelle, gekennzeichnet etwa als UHS-I oder UHS-II. Sie legt fest, wie schnell Daten zwischen Karte und Gerät höchstens übertragen werden können. Die SD Association nennt für UHS-I bis zu 104 MB/s und für UHS-II bis zu 312 MB/s. Wichtig ist der Hinweis des Verbands, dass die tatsächliche Geschwindigkeit von der Leistung der Karte abhängt und nicht mit der Busgeschwindigkeit gleichzusetzen ist. Die Schnittstelle ist also die Obergrenze, die Klasse die garantierte Untergrenze. Ob deine Kamera UHS-II nutzt, steht in ihrer Anleitung.

CFexpress Typ A und CFexpress Typ B

Für hohe Datenraten, etwa bei All Intra Codecs oder RAW, setzen viele Kameras auf CFexpress. Diese Karten nutzen laut CompactFlash Association die PCIe Schnittstelle und das NVMe Protokoll. Es gibt drei Bauformen, von denen in Kameras bisher zwei eine Rolle spielen. Für Typ C gibt es laut CFA derzeit weder Kameras noch Karten.

BauformMaße in mmPCIe LanesBus maximal (2.0 / 4.0)
CFexpress Typ A20 x 28 x 2,811 GB/s / 2 GB/s
CFexpress Typ B29,8 x 38,5 x 3,822 GB/s / 4 GB/s

Typ B hat dieselben Maße und denselben Stecker wie XQD. Laut CFA nutzen Kameras von Canon, Fujifilm, Panasonic, Nikon und Sony Typ B, Typ A ist derzeit Sony vorbehalten. Karten der Version 4.0 erkennst du an einer 4 unten links im CFexpress Logo, der Buchstabe unten rechts zeigt den Typ.

Was bei SD die V Klasse ist, heißt bei CFexpress Video Performance Guarantee, kurz VPG. Sie garantiert eine minimale dauerhafte Schreibrate: VPG200 steht für 200 MB/s, VPG400 für 400 MB/s. Mit dem Profil VPG 5 hat die CFA zusätzlich VPG800 und VPG1600 eingeführt. Die CFA weist darauf hin, dass VPG 5 nicht rückwärtskompatibel zu VPG 4 ist. Eine VPG800 Karte funktioniert also nicht automatisch in einem Modus, der VPG200 verlangt, außer sie trägt beide Logos. Außerdem führt die CFA eine Liste zertifizierter Karten, weil das Logo mitunter ohne Zertifizierung verwendet wird.

Datenrate umrechnen: Mbit/s in MB/s

Kamerahersteller geben Datenraten in Megabit pro Sekunde an, Kartenklassen in Megabyte pro Sekunde. Ein Byte hat acht Bit. Du teilst die Datenrate des Codecs also durch 8 und vergleichst das Ergebnis mit der Mindestrate der Karte. Plane dabei Reserve ein. Die folgende Tabelle zeigt am Beispiel der Sony FX3, wie Hersteller das handhaben:

Aufnahmeformat (Sony FX3)DatenrateUmgerechnetKarte laut Sony
XAVC S HD100 Mbit/s12,5 MB/sSDHC/SDXC ab U3 oder CFexpress Typ A
XAVC HS 4K280 Mbit/s35 MB/sSDXC ab V60 oder CFexpress Typ A ab VPG200
XAVC S-I 4K600 Mbit/s75 MB/sSDXC ab V90 oder CFexpress Typ A ab VPG200

Die Tabelle zeigt: Sony verlangt bei 35 MB/s keine V30 Karte, sondern V60, und bei 75 MB/s eine V90 Karte. Der Hersteller rechnet also mit Luft nach oben. Im Zweifel gilt immer die Angabe in der Anleitung deiner Kamera. Die Daten der Sony FX3 und anderer Modelle findest du in unseren Kameradaten, Hintergründe zu Codecs im Beitrag Video Codec.

Auch der Speicherplatz lässt sich so abschätzen. Bei 75 MB/s sind das 4500 MB pro Minute, also rund 4,5 GB. Eine Stunde Material belegt damit etwa 270 GB. Solche Rechnungen helfen dir, genug Karten für einen Drehtag einzupacken.

Gefälschte Karten erkennen

Gefälschte Speicherkarten sind ein echtes Risiko. Das Prinzip ist einfach: Eine Karte mit kleiner Kapazität wird so manipuliert, dass sie dem Gerät eine viel größere Kapazität meldet, etwa 128 GB statt 32 GB. Alles, was über die echte Kapazität hinaus geschrieben wird, ist nicht mehr nutzbar. Tückisch ist, dass die Karte zunächst normal funktioniert. Der Fehler zeigt sich erst, wenn die echte Grenze überschritten ist, und dann sind Aufnahmen verloren.

Prüfe neue Karten deshalb vor dem ersten Einsatz mit einem Werkzeug, das die gesamte Kapazität beschreibt und wieder ausliest, etwa H2testw unter Windows oder F3 unter macOS. Kaufe Karten bei autorisierten Händlern und sei misstrauisch bei auffällig niedrigen Preisen. Bei CFexpress bietet die Liste der VPG zertifizierten Karten der CFA eine zusätzliche Orientierung.

Kartenpflege im Alltag

Einige Hinweise zur FX3 lassen sich auf die meisten Kameras übertragen. Formatiere Karten in der Kamera und nicht am Computer, denn eine am Computer formatierte Karte funktioniert laut Sony nicht garantiert. Entnimm die Karte nicht und schalte die Kamera nicht aus, solange die Zugriffsleuchte aktiv ist. Schütze die Kontakte vor Berührung, Feuchtigkeit und statischer Aufladung. Nach langen Aufnahmen kann die Karte heiß sein. Wird das Schreiben oder Auslesen spürbar langsamer, empfiehlt Sony eine vollständige Formatierung statt der Schnellformatierung.

Das Formatieren löscht laut Sony alle Daten dauerhaft und unwiederbringlich. Formatiere eine Karte deshalb erst, wenn ihr Inhalt nachweislich gesichert ist. Wie du dabei vorgehst, erfährst du im Beitrag Datensicherung am Set.

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